Kind & Karriere – wieso ich keine Rabenmutter bin.

Soll ich wirklich über dieses Thema schreiben? Irgendwie kann man da nur verlieren.  Auf der anderen Seite gibt es wahrscheinlich kein Thema, welches Frauen in Deutschland mehr bewegt als die Frage, ob man Kind und Karriere unter einen Hut bekommen kann, darf, muss, möchte.

Ich möchte. Und ich darf. Und ich kann. Aber ich muss nicht. Und das ist wahrscheinlich entscheidend für meine Einstellung zu diesem Thema. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass jede Frau (und damit ihre Beziehung und die Kinder selber) maximal glücklich ist, wenn sie ihr eigenes Modell gewählt hat. Wenn sie den Weg geht, den sie selber gehen möchte und es nicht Anderen zu liebe tut. Glück und Zufriedenheit hängen für mich nicht davon ab, für welche Variante man sich entscheidet, sondern ob man 100% hinter seiner Entscheidung steht. Gegen alle Widerstände.

Eine Frau, die zu Hause bleibt, weil es irgendwer von ihr erwartet, obwohl sie eigentlich lieber arbeiten würde ist genauso unzufrieden wie diejenige, die arbeiten geht, um irgendwem etwas zu beweisen, obwohl sie am liebsten den ganzen Tag mit ihren Kindern zusammen wäre. Natürlich unterstelle ich mit der freien Auswahl der Optionen den Luxus, dass man nicht arbeiten muss, wenn man lieber zu Hause bleiben möchte. Natürlich gilt dieses für die Mehrzahl der Frauen in Deutschland nicht. Sie haben schlichtweg keine Wahl, ob sie arbeiten möchten oder nicht. Sie müssen.

Aber auf all diejenigen, die nicht müssen, trifft meine These zu. Glaube ich zumindest. Wenn fulltime mums, working mums missionieren wollen, dann kann das zwei Gründe haben. Entweder sind sie einfach so überzeugt von ihrem eigenen Modell, dass sie der Meinung sind, es wäre das Beste für jede Frau es ihnen nachzumachen. Oder – und das ist meiner Erfahrung nach häufiger der Fall – sie sind mit ihrer ausschließlichen Mutterrolle nicht zufrieden. Vielleicht weil diese sie nicht ausfüllt oder sie sich unterfordert fühlen. Vielleicht, weil ihnen ihr Umfeld zu wenig Wertschätzung entgegenbringt oder weil sie den Zeiten hinterher trauern, in denen sie selber erfolgreich im Berufsleben standen.

Wenn working-mums hingegen fulltime mums belächeln, dann offensichtlich, weil sie bei sich selbst etwas vermissen, sich überfordert fühlen, glauben ihren Kindern nicht gerecht zu werden, Angst haben, dass die häufige Abwesenheit zu Defiziten führt oder bedauern, dass immer die Nanny zum Turnen und Basteln geht und nie sie selbst. Und das lässt man dann eben am liebsten an Frauen aus, die das Leben führen, welches man zum Teil selber gerne hätte. Menschlich? Vielleicht. Erstrebenswert? Nein.

Ist man hingegen zufrieden, mit dem Weg, den man gewählt hat – egal ob fulltime mum, part-time mum oder working mum – hat man keinen Grund andere zu kritisieren oder zu beneiden. Denn man ist ganz einfach glücklich. Und freut sich über jeden, der es auch ist.

Ich bin glücklich. Als working mum. Denn ich liebe es zu arbeiten. Und ich liebe meine Familie. Für mich ist es das schönste Leben, morgens mit meinen Männern zu frühstücken, dann zehn Stunden zu arbeiten und abends noch 1-2 Stunden mit meinem Sohn zu verbringen. Wenn er dann um 20 Uhr ins Bett geht, habe ich Zeit für meinen Mann, Sport, noch mehr Arbeit oder Freunde. Nichts machen kann ich nicht. Ich kann es wirklich nicht. Ich muss einfach immer was machen. Insofern würde ich meinem Sohn stark auf den Keks gehen, wenn ich den ganzen Tag bei ihm wäre. Denn er müsste die ganze Zeit etwas machen. Und zwar wahrscheinlich sehr oft das, was ich gerade machen möchte. Und das würde ihm wenig Spaß machen. Oder gar keinen.

So hingegen komme ich abends nach Hause, habe viel erlebt und nutze die Zeit mit ihm, um zu entspannen und abzuschalten. Er ist mein perfekter Schutz vor mir selbst. Ohne ihn würde ich wahrscheinlich nie zur Ruhe kommen, würde immer viel zu lange arbeiten und hätte wenig Ausgleich. Durch ihn habe ich „best of both worlds“.

Für mich lässt sich die ganze Diskussion um dieses Thema hervorragend mit „leben – und leben lassen“ zusammenfassen. Wenn man für sich selbst das optimale Modell gefunden hat (was schwer genug ist), dann sollte man es keiner anderen Frau schwermachen ihren Weg zu gehen. Denn das macht einen selbst kein Stück glücklicher. Im Gegenteil.

22 Kommentare
  1. Ich hab zwar (noch) keine Kinder, aber das ist genau der Weg, den ich wählen würde! Und ich finde es auch gut und wichtig, dass das mal so gesagt wurde, denn es ist schon wahr: Die Entscheidungen von Müttern, egal welche sie treffen (ob sie wieder arbeiten oder nicht, halbstags oder ganztags…) werden meistens belächelt, kritisiert oder in Frage gestellt. Und das sollte so nicht sein.

  2. Danke für diesen erfrischend unideologischen Blick auf das Thema, das wohl alle Familien (und nicht nur Mütter) umtreibt, die genau in dieser Situation sind: Dass sie Optionen haben, es sich bis zu einem gewissen Grad aussuchen können. Habe ich in den letzten Jahren oft gegen den (sozialdemokratischen) Emanzipationsterror mit der Verpflichtung für ein bestimmtes Familienmodell gewettert, so bin ich umso glücklicher, um mich herum mehr und mehr verschiedene Modelle zu erleben.

    Dass wir dabei weder der einen noch der anderen Rolle voll gerecht werden, damit müssen wir halt leben.

    (Familienmodell zzt: zu 1,75 berufstätige Eltern, vier Kinder, Au Pair, Hort)

  3. Hallo Verena!

    Das ist in der Tat ein sehr heisses Thema… und eigentlich auch Frauen vorbehalten – denn das ist und muss die Entscheidung einer jeden sein (sofern sie sich die Überlegung leisten kann, was nur wenige in Deutschland können).

    Dennoch finde ich "noch 1-2 Stunden mit meinem Sohn zu verbringen" definitiv nicht ausreichend. Insbesondere in den ersten Jahren wird ein Kind stark von seinen Eltern geprägt. Und in einer Stunde läßt sich definitiv nicht viel vermitteln…

    Sicher: besser 1 Stunde voller Liebe und Fokus als 12 Stunden lieblos – aber dennoch vermisse ich (und ich bin nur ein Vater) daß ich nicht mehr Zeit für meine Tochter haben kann.

    Ihr Vorschlag kürzlich war "Wenn Mama auch morgens arbeiten geht, dann kannst Du ja auch mittags nach Hause kommen und wir sind dann alle zusammen". Ich denke, daß sagt alles aus was das Kind will und braucht!

    Dein Fazit teile ich dennoch: Leben und leben lassen.

    Das ist nur meine bescheidene Sicht.

  4. Ich freue mich, dass das Thema hier eine kontroverse Diskussion hervorbringt. Denn das tut es im wirklichen Leben ja auch ständig.

    Ich bleibe gerade auch bei Kritik immer sehr gelassen, da mein Mann und ich dieses Modell nicht aus Verlegenheit oder Zufall, sondern aus Überzeugung leben. Wir glauben wirklich, dass working mum + active dad (ein Vater, der ebenso viel Zeit mit seinem Kind verbringt wie die Mutter – was übrigens auch ein Luxus ist, den wir sehr zu schätzen wissen!) = happy child ist.

    Und ich vertraue absolut auf die Qualität der Zeit, die wir mit John verbringen. Denn die Quantität ist für mich zweitrangig. Denn die wäre für beide Seiten kein Mehrwert. Ein Mehrwert für uns beide ist aber, dass ich weiter meine beruflichen Ziele verfolgen kann, während John von liebevollen Menschen betreut wird, die viel mehr Geduld zum basteln, backen, spielen und lesen haben und für die diese Tätigkeiten eine ausschließliche Erfüllung und Freude darstellen.

  5. das hört sich alles ganz okay an. wobei ich ebenfalls 1-2 stunden zu wenig finde.

    aber kinder und karriere beinhaltet eben auch andere probleme:

    # was machst du wenn du auf geschäftsreise musst?

    # was ist wenn dein kind krank ist?

    # was ist wenn der kindergarten geschlossen wird wegen zb. läusen?

    # …

    ich stelle mir es eben sehr stressig vor beides langfristig zu kombinieren und eben nicht so relaxed.

    eins ist aber auch klar: teilzeit macht man auch keine karriere.

  6. "Natürlich gilt dieses für die Mehrzahl der Frauen in Deutschland nicht. Sie haben schlichtweg keine Wahl, ob sie arbeiten möchten oder nicht. Sie müssen."

    Auf welcher Quelle basiert diese Aussage? Ist nicht ironisch gemeint, mich würde das wirklich interessieren.

    Meine Frau ist Full-Time-Mutti und ich habe extra meine Selbstständigkeit aufgegeben und bin wieder ein Angestelltenverhältnis eingegangen, damit ich abends pünktlich Feierabend machen kann, um bei meiner Familie zu sein.

    1. Hi Oliver, die Aussage basiert auf dieser Quelle

      Ich genieße es auch sehr, morgens und abends mit meiner Familie zusammen zu sein und finde es toll, dass Du dafür extra Deinen Job gewechselt hat. Das weiß Deine Frau bestimmt besonders zu schätzen!

  7. Sehr interessante Quelle der VBM.

    Hier bietet sich eine Kooperation mit dem BVDW an, da gerade in der Digitalen Wirtschaft sehr wohl Karrieren in Teilzeit möglich sind.

    Das Home Office muss endlich eine Option – auch in Deutschland – werden!

  8. Ich hab deinen Post mit großem Interesse gelesen und stimme dir in einem Punkt voll zu: Jede Mutter und jeder Vater sollten genau das Kind-Karriere-Konzept leben, das für sie das richtige ist! Ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.

    Einen Abschnitt hätte ich mir in deinem Post jedoch noch gewünscht: Wie alt ist dein Kind und wie/von wem wird es die 10 Stunden betreut, die du nicht zu Hause bist? Denn ich finde, die Betreuungsfrage (und mancherorts leider das Betreuungsproblem) ist wesentlich bei dem Thema Wiedereinstieg in den Beruf.

    1. Hi Karen, mein Sohn wird im Dezember 2 Jahre alt. Bis er 1 Jahr war, wurde er fulltime bei uns zu Hause von unserer Nanny betreut. Seit er 1 Jahr alt ist bringen wir ihn jeden Tag von 9-15 Uhr zu einer Tagesmutter, die noch weitere vier Kinder betreut. Dort holt ihn unsere Nanny um 15 Uhr ab und verbringt den Nachmittag mit ihm. Sie gehen zu Hagenbeck, zum Baby-Turnen, auf den Spielplatz, in die Kinderbibliothek oder spielen zu Hause in seinem Spielzimmer. Wir glauben, dass die Mischung aus Zeit mit anderen Kindern und Einzelbetreuung die optimale Mischung für ihn ist. Andererseits wissen wir ganz genau, dass diese private Super-Sonder-Spezial-Betreuung ein absoluter Luxus ist, den wir uns nur deshalb leisten können und wollen, weil ich fulltime arbeite.
      Du hast nämlich absolut Recht, dass viele Mütter, die gerne wieder anfangen würden zu arbeiten an der Betreuungsfrage scheitern. Das ist sicherlich das größte Thema rund um Kind und Karriere, das wir in Deutschland lösen müssen. Frankreich ist da sicherlich ein sehr gutes Vorbild. Denn dort ist der entscheidende Unterschied „Es sind eine gut ausgebaute und bezahlbare öffentliche Betreuungsinfrastruktur und ein Ganztagsschulsystem.

  9. Ich habe noch keine Kinder, und ich weiß auch nicht, welches Modell ich anstrebe für den Fall, dass ich irgendwann Kinder haben sollte.

    Zugegeben: Hätte man mir von Verenas Szenario erzählt, ich hätte nicht gedacht, dass es gut funktionieren kann. Nun habe ich Verena und ihre Familie in den letzten Monaten kennen lernen dürfen und kann versichern, dass es geht. Mehr als das. Alle Beteiligten scheinen damit sehr glücklich zu sein. Eine Frau, die beruflich erfolgreich ist und abends durch ihre Männer Kraft tankt. Ein Mann, der beruflich bereits eine Menge geleitet hat, nun eher aus dem Hintergrund agiert und sich somit stärker auf seine Rolle als Mann konzentrieren kann. Und schließlich ein kleines Kind, das permanent in Aktion ist und dem all die Liebe zuteil wird, die ein Kind verdient.

    Dass Erziehung und Familie in Deutschland immer noch hauptsächlich als Angelegenheit von Müttern wahrgenommen wird, macht mich betroffen. Ich als pontezieller Vater möchte mich irgendwann aktiv einbringen und dann auch nicht als Exot wahrgenommen werden.

  10. Spannendes und heikles Thema zugleich. Ich habe keine Kinder, aber einen Job, der mir wirklich sehr viel Spaß macht, der mich fordert, mich antreibt, mit dem es mir gut geht. Ja, Arbeit kann Spaß machen. Gerade deshalb stelle ich mir die Frage, ob man Beruf und Kinder vereinen kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, weil man nicht 24 Stunden am Tag für seine Kinder da ist. Denn das könnte ich nicht, weil ich das nicht bin, weil ich mich in der Rolle als fulltime mum nicht sehe, sie nicht ausfüllen könnte, sie nicht glücklich leben könnte. Sollte ich dann Kinder haben? Ich sage „Ja“, denn eine glückliche working mum ist keine schlechtere Mutter als eine fulltime mum nur weil sie weniger Zeit mit ihren Kindern verbringt. Es kommt auf die Qualität der Zeit an, auf das Gefühl was man seinen Kindern vermittelt. Nur wer mit sich selbst im Reinen ist, glücklich und zufrieden mit seiner Rolle (egal ob working, part-time oder fulltime mum), kann seinen Kindern ein gutes Gefühl geben und die Zeit zusammen genießen. Karriere und Kinder schließen sich nicht aus, es ist wohl eher eine Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz, des beruflich Machbaren (flexible Arbeitszeitmodelle, Kinderbetreuung) und einer guten Portion Organisation 😉

  11. wer es sich leisten kann, karriere und kinder zu haben, ist aus meiner sicht gut dran. ob das immer für die kinder richtig ist, kann man pauschal nicht sagen, denn jedes kind ist anders. das eine macht die fremdbetreuung gut mit, das andere weniger – und das gleiche trifft natürlich auf die eltern zu… und dann ist auch eine frage, wie viele kinder man hat. die lösung „double income, one kid“ wird eine vollständig andere, sobald die kinderzahl wächst. mit einem kind war ich auch noch in leitender position, mit zweien habe ich mich selbständig gemacht und mit jetzt dreien bin ich immer noch selbständig, aber der organisationsaufwand ist trotz tagesmutter, kita und hort enorm gestiegen und erfordert täglich einen neuen großen balance-akt.

    einen wichtigen gedanken hast du aber bei deinen überlegungen zu den working mums/fulltime mums vergessen: es ist heute keiner mutter (wie auch frauen ohne kindern) mehr anzuraten, auf den job zu verzichten. das neue unterhaltsgesetz ist ein schlag ins gesicht für alle diejenigen, die ihren job für ihre kinder aufgeben.

    ich glaube aber auch, dass man mit dem familienleben nur glücklich ist, wenn man das auch größtenteils auf den job zutrifft, sonst wird das eine ständig gegen das andere aufgewogen. meine erfahrung zeigt, dass der job an bedeutung verliert, sobald man kinder hat. das heißt überhaupt nicht, dass man weniger spaß im job hat oder sich weniger engagiert (wird aber leicht unterstellt!), sondern nur, dass man dinge gelassener sieht, weil es noch etwas anderes im leben gibt als die präsentation am nächsten tag. und diese neue gelassenheit ist eine gute und sehr gesunde erfahrung.

    ich glaube, dass die mehrheit aller berufstätigen mütter und väter unterschreiben würde, dass sie gerne mehr zeit füreinander und miteinander hätten, eben mehr familienzeit (s. das buch „die schule der frauen“ von iris raddisch). (und mich wundert, dass du bei deinem arbeitsalltag schon am ziel deiner träume bist) aber dieses mehr an familienzeit lässt sich in unserer arbeitswelt leider nicht von heute auf morgen umsetzen..

  12. Toller Post und wichtige Diskussion.

    Treibt mich seit Jahren um und Du hast völlig recht: Es gibt nicht das eine Modell. Dafür sind nicht nur Familien zu unterschiedlich sondern auch Jobs. Also leben und leben lassen und sich nicht verrückt machen.

    Hier mal mein/unser Modell mit dem wir (ja, das ist anstrengend aber das Leben ist eben anstrengend) seit 6 Jahren glücklich sind:

    Ich bin, nach dem unser erster Sohn 10 Monate alt wurde, in Elternteilzeit gegangen (30 Stunden/Woche). Meine Frau hat mit 20 Stunden die Woche ebenfalls wieder gearbeitet. Zwei Jahre später zweiter Sohn geboren. Meine Frau hat nach 10 Monaten wieder mit 20 Stunden angefangen. Dann habe ich den Job gewechselt. In Teilzeit. Dann habe ich den Job wieder gewechselt. In Teilzeit. Ich habe in den letzten sechs Jahren Karriere gemacht. (Das nur weil es heißt das gine nicht in Teilzeit)

    Ich arbeite Montags und Dienstags 8 Stunden und an den anderen Tagen 4-6 Stunden. Ich fliege manchmal zu Kundenterminen. Ich muss manchmal Zuhause den Rechner anmachen. Ich beantworte Mails auch mal mit dem Blackberry vom Spielplatz.

    Ich genieße es, Zeit mit den Kindern zu haben und jeden Montag abends zum Sport zu gehen. Ich liebe es, Freitagnachmittage an der Elbe, der Ostsee oder in der Heide zu verbringen, weil wir dann alle schon aus der Stadt fahren können.

    Ich liebe meinen Job und mache ihn mit Leidenschaft. Meine Frau würde wahnsinnig werden, wenn sie nicht arbeiten könnte (was leider ein Jahr lang der Fall war, weil ihr alter Arbeitgeber mit Teilzeitmüttern nichts anfangen konnte und sie rausgemobbt hat).

    Es braucht nicht nur Mütter, die ganz selbstversändlich ihr Modell leben und andere ihres leben lassen, sondern auch Väter, die sich ganz individuel einbringen und Unternehmen, die in Qualität der Mitarbeiter denken und nicht in Quantität der Arbeitszeit.

    1. Sehr guter Kommentar! Und Du hast absolut Recht: Es geht nur, wenn Mütter, Väter und Unternehmen an einem Strang ziehen. Den Vätern kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Denn jedes Unternehmen kann noch so tolerant sein und jede Mutter noch so arbeitswillig. Wenn der Vater nicht seinen Teil zu der Kinderbetreuung beisteuert, wird das Vollzeit-working-mum-Modell sehr schwierig. Bei uns wäre es dann unmöglich.

  13. Ich möchte barbamama zustimmen, auch in meinem Umfeld habe ich das Gefühl, daß eher der Wunsch nach mehr Familienzeit vorherrscht als nach mehr Zeit im Büro. Ich selbst habe die Konsequenzen daraus gezogen: Meine Kinder sind 6 und 9 und ich habe bis Januar 2009 Teilzeit gearbeitet (ja eddi: teilzeit macht man keine Karriere!). Da es finanziell möglich war, habe ich dann gekündigt, bin nun "fulltime mum" und finde es herrlich. Ich habe nicht nur mehr Zeit für die Kinder sondern auch für MICH. Sport, Freunde, Arztbesuche, Einkäufe etc. werden nicht mehr mühsam irgendwo mit schlechtem Gewissen reingepresst, sondern entspannt erledigt, wenn die Kids in der Schule sind. Ich bin jetzt gesünder und fitter und fühle mich viel besser.

    Hauptgrund für meine Entscheidung war jedoch letztendlich, dass das Leben mit Kindern wesentlich komplexer wird, je grösser sie werden. Neben Schule und Hausaufgaben kommen die diversen Nachmittags-Aktivitäten dazu, deren logistische Organisation nicht zu unterschätzen ist. Es gibt eine weit höhere Anzahl von Interaktionen mit Lehrkräften, anderen Müttern, Trainern, Musiklehrern, Freunden und Freundinnen der Kinder, die von Betreuungspersonal kaum noch geleistet werden kann.

    Grundsätzlich stimme ich Verena zu: leben – und leben lassen. "leben" hiesse aber für mich und wahrscheinlich für sehr viele Frauen, Beruf und Kinder vereinbaren zu können. Das ist meiner Meinung nach in Deutschland bisher nur bedingt möglich und die Frauen werden in diese entweder-oder-Rollen oft mehr oder weniger gedrängt. Oft fühlen sie sich weder als fulltime mum noch fullworking mum glücklich und sind berechtigterweise unzufrieden. Dabei sollte beides möglich sein – ein ausfüllender Beruf und Zeit mit Kindern. Denn da meine Kinder ja schon etwas älter sind, kann ich nur sagen: Die Zeit als Mutter vergeht rasend schnell und diese speziellen Momente, wenn die Kinder ihre ersten Worte sprechen, laufen lernen oder einfach nur unsere mütterliche Zuwendung brauchen, wenn sie krank, verletzt oder traurig sind, sind nicht wiederholbar. Sie sind einzigartig und kommen nicht wieder. Und sie gehören zu den allerschönsten Momenten in meinem Leben.

    PS: War jetzt aber nicht missionierend gemeint…

  14. Ich habe heute zufaellig diesen Post gelesen und da mich dieses Thema gerade sehr beschaeftigt, habe ich beschlossen meine Gedanken in diesem Kommentar einfach mal ein wenig zu ordnen und niederzuschreiben.

    Ich habe immer sehr gerne gearbeitet, es gibt mir einfach ein gutes Gefuehl gefordert zu sein, etwas zu schaffen, mich mit anderen Menschen auszutauschen und zu diskutieren, Erfolg zu sehen und abends totmuede aber irgendwie erfuellt nach Hause zu kommen. Klar ich habe auch haeufig auf meinen Job geschimpft aber im grossen und ganzen bringt mir arbeiten viel Spass.

    Nun bin ich vor drei Monaten selber Mutter geworden und habe Gefuehle und mache Erfahrungen, die ich nicht erwartet haette.

    Ich fand es immer voellig klar, dass ich recht schnell wieder anfangen wuerde zu arbeiten und meine Kinder in eine Betreuung geben wuerde. Ich bin auch so aufgewachsen, meine Mutter hat fast immer zumindest Teilzeit gearbeitet und es hat meinen beiden Geschwistern und mir in keinster Weise geschadet oder etwas gefehlt. Wir hatten viele Au-Pair-Maedchen und von jedem haben wir etwas anderes gelernt und ich glaube es hat uns sogar ganz gut getan.

    Ich bin im Moment auf der Suche nach einer Nanny fuer ein paar Stunden die Woche und ich bin voellig ueberrascht, dass mir der Gedanke meinen Sohn jemandem anderen anzuvertrauen und nicht 24/7 selber aufzupassen, dass es ihm gut geht, so wahnsinnig schwer faellt. Mal ganz abgesehen von dem Gefuehl, dass ich nichts in seiner Entwicklung verpassen moechte und das ich es auch geniesse ihn einfach nur anzugucken. Ich habe ploetzlich lauter Sorgen mit denen ich erstmal klar kommen muss.

    Hinzu kommt, dass ich nicht arbeiten muesste, im Gegenteil, ich habe mich vor kurzer Zeit selbststaendig gemacht und eine Nanny kostet mich nur mehr und ist also noch ein groesserer Luxus. Deshalb schleicht sich bei mir auch noch das schlechte Gewissen ein. Mal ganz abgesehen von dem schlechten Gewissen meinem Mann gegenueber, fuer den ich dann auch weniger Zeit haben werde, mal ganz abgesehen von Freunden.

    Ich bin weiterhin fest davon ueberzeugt, dass es Kindern nicht schadet, wenn sie zumindest zum Teil nicht staendig von ihrer Mutter betreut werden, im Gegenteil es kann ihnen sogar gut tun wenn sie dadurch andere Dinge lernen oder machen, wie bei Dir Verena oder wie es bei uns zu Hause war.

    Auch werde ich weder meinem Kind noch meinem Job gerecht wenn ich versuche beides gleichzeitig zu machen – mit dem Fuss mein Kind in der Wippe beschaeftige und mit den Haenden am Computer eher abgelenkt meine Arbeit mache. So schaffe ich gar nichts.

    Aber mit all den anderen Gefuehlen und Sorgen muss ich erstmal klar kommen….

    Die Loesung fuer mich wird wohl Teilzeit sein und der feste Glaube daran, dass ich mit meinem Unternehmen auch so erfolgreich sein kann. So kann ich ganze Tage mit meinem Sohn verbringen und volle Stunden konzentriert arbeiten. Qualitaet anstatt Quantitaet. Denn trotz meiner Bedenken weiss ich, dass ich ohne eine andere Beschaeftigung neben Mutter sein, nicht richtig zufrieden sein kann und damit auch keine gute Mutter sein kann.

    Uebrigens lebe ich in Amerika und hier wird das Motto – leben und leben lassen – viel mehr gelebt. Ich werde gar nicht schief angeguckt wenn ich erzaehle, dass ich eine Nanny suche, auch von full time mums nicht. Im Gegenteil, mir wird geholfen eine zu finden. UND ich habe noch nie so viele Familien mit vier oder mehr Kindern kennen gelernt!

    1. Vielen Dank für Deinen langen und tollen Kommentar! Ich kann Deine Gedanken absolut nachvollziehen und finde es wirklich beeindruckend, dass Du sie so offen schreibst. Nachdem Du Dich so intensiv mit dem Thema Beruf – Familie auseinandersetzt bin ich absolut sicher, dass Du die für Euch richtige Entscheidung treffen wirst. Denn es gibt bei diesem Thema kein falsch. Es darf sich nur nicht falsch anfühlen. Ich freue mich sehr, wenn wir uns im Sommer sehen, wenn Du nach Deutschland kommst und unsere dann schon drei Kiddies miteinander spielen können!

  15. Hach, früher war ja alles ganz anders, wenn ich 20 Jahre zurückdenke. Da wurdest du – bei mir am Dorf (Österreich) schief angesehen, wenn man mehr als den halben Tag arbeiten ging. Dort herrschte noch das Denken: Die Frau gehört an den Herd. Ich beneide die Mütter der heutigen Zeit!

  16. Als Rabenmutter wird doch jede von uns so leicht abgestempelt. Immer dann, wenn mit dem Nachwuchs irgendetwas nicht funktioniert, heißt es doch so gerne: "Die Mutter hat schuld, weil…"
    Ein Grund findet sich immer. Entweder war man zu sehr Mama (,weil nicht berufstätig) oder zuwenig (, weil berufstätig). Oder zu alt, oder zu jung. Oder, oder, oder…
    Wir Rausmütter und Hausmütter sollten gemeinsam Contra geben. Ich glaube, das ist das, woran es uns noch mangelt.

  17. Schade, dass ich Deinen Blog jetzt erst entdeckt habe (btw durch das "Found her"/Gründerszene-Video). Es ist sehr erfrischend zu lesen, das es auch erfolgreiche Frauen gibt, die das Thema Kind und Job für sich so entspannt und undramatisch sehen!
    Kinder brauchen Aufmerksamkeit, Liebe und glückliche Eltern! Ich hab es leider mit meinem Sohn (9 Jahre alt) erleben müssen, wie sehr ihn es bedrückt, wenn er mitbekommen hat, dass Mama oder Papa finanzielle Sorgen hatten oder es mit der Arbeit gar nicht lief. Inzwischen bin ich voll berufstätig, aber unter der Woche ist spätestens ab 18 Uhr Familienzeit und nur Familienzeit! – und bin glückliche Vollblut-Teilzeit-Mama (mein Sohn pendelt zwischen seinem Vater und mir). Uns tut das gut, aber jeder muss da wohl seinen Weg finden. In diesem Sinne: Viel Erfolg allen jungen Müttern und Vätern 😉

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