Das Phänomen „Robinson Club“

Nun habe ich mir so sehr vorgenommen mehr offline zu sein und dieses besonders während unseres Urlaubs durchzuhalten, dass ich seit Wochen nicht mehr gebloggt habe…so gehts ja auch nicht. Hier bin ich also wieder. Um einen Urlaub und einen reichhaltigen Erfahrungsschatz über das Phänomen „Robinson Club“ reicher.

Wir waren das erste Mal im Robinson Club und in den ersten Stunden hätten wir beide geschworen, dass es das letzte Mal sein würde. Animateure wohin das Auge reicht, aggressives Duzen, anstrengende Power-happiness und 400.000 Abkürzungen, die die Welt nicht braucht und nicht versteht. Highlight hier sicherlich das alltägliche Pool-Quiz „Jedami“. Übersetzt: „Jeder darf mitmachen“. Ist klar.
Dazu all-inclusive drinks an der Bar, welche sich bei mir aufgrund meines fortgeschrittenen Zustands auf Fanta Lemon und Wasser beschränkten. Noch nicht mal hier konnte ich also Boden gutmachen. Abends dann das interessante Erlebnis an 8-12er Tischen mit wildfremden Menschen zu sitzen, zwanghafte Konversation machen zu müssen und Zeuge von Tischmanieren zu werden, die zumindest dazu geführt haben, dass man überflüssige Kilos verloren hat, weil man keinen Hunger mehr hatte.

So weit so schlecht.

Dann noch der endgültige Dämpfer in Hinsicht auf Kinderbetreuung von unter-3-Jährigen. Den gesamten Hinflug hatten wir mit John trainiert, dass er 1. John heißt, 2. drei Jahre alt ist (obwohl er gerade 2 geworden ist) und 3. sich total erwachsen und 3-jährig benehmen soll (d.h. seine Windel während der Kinderbetreuungszeit im Robyclub als reines Deko-Objekt betrachten möge). Optimistisch, dass er all diese Informationen verinnerlicht hätte, meldeten wir ihn also gleich am ersten Tag mit falschem Geburtsjahr (nämlich 2006 statt 2007) stolz in der Kinderbetreuung an. Alles ganz reibungslos. Dann folgte die erwartete Vorstellungsrunde aller Kinder. „Ich heiße Annabell und bin 5 Jahre alt“, „Heiße Luis und bin 3″….

Animateurin: Und Du, wer bist Du?
Antwort John: Don.
Animateurin: Und wie alt bist Du Don?
Antwort John: Swei.
Animateurin: Nein, Du bist doch sicherlich schon drei, oder?
Antwort John: NEIN, SWEI!!!

Prima. Experiment erfolgreich missglückt und uns wurde in diesem Moment bewusst, dass wir die Mahlzeiten mit wildfremden Leuten und den Rest des Tages und der Nacht mit unserem Sohn verbringen würden. Adieu Zweisamkeit und Erholung… so dachten wir.

Doch es wurde besser. Nachdem wir uns akklimatisiert und ein bisschen erholt hatten, fingen wir plötzlich an die positiven Seiten dieses Club-Konzepts zu sehen.
Bei strahlend blauem Himmel und 25 Grad – welche ich jetzt mal großzügig dem Robinson Club zurechne – entdeckten wir den Strand, das zwar kalte, aber erfrischende Meer, die Tatsache, dass man am Buffet nie anstehen musste, weil es so viele Kochinseln gab, den Babypool mit 35 Grad (in welchen Lutz und ich zwar nicht den großen Zeh steckten, weil wir uns sicher waren, dass das Wasser nicht aufgrund der Heizung 35 Grad hatte…), den John aber liebte und die Mini-Disko am Abend, die unseren Sohn absolut verzückte und ihn danach lächelnd einschliefen ließ.
Zwar betrachtet man sich teilweise immer noch von außen und ist zutiefst dankbar, dass einen Freunde und Geschäftspartner gerade nicht beim Roby-Clubtanz beobachten „Der Roby mit der Sonnenbrille ulala, tanzt so gerne mit Sybille ulala“… doch auf der anderen Seite ist man durch den täglich gleichen Ablauf Frühstück – Strand – Mittagessen – Mittagsschlaf – Babypool – Sport – Abendessen – Minidisko – Bett und die Tatsache, dass man außerhalb der Tore des Clubs auf Fuerteventura nichts Sehenswertes verpasst, plötzlich so tiefenentspannt, dass man wirklich beginnt sich zu erholen.

Und so würde ich zwar nicht soweit gehen zu sagen, dass wir jetzt jedes Jahr in den Robinson Club fahren, aber ich kann auch nicht mehr mit Inbrunst behaupten, dass es das letzte Mal war. Denn die Vorstellung, dass unsere Kiddies irgendwann drei und fünf sind, von der Kinderbetreuung verschluckt werden, ich nicht mehr 150kg wiege und Lutz und ich zusammen Sport machen, segeln und am Strand liegen und ein Buch lesen, lässt sogar „Jedami“, „Roby-Clubtanz“ und Kommunen-Abendessen wie Peanuts erscheinen.

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