Ökologische Intelligenz

Ausgelöst durch einen Freund, der mir erzählt hat, dass er zu Climate Partners wechselt, eine junge Frau, die ich auf der dmexco getroffen habe, die das Startup ecogood gründet, das Unternehmen Arktik und die Tatsache, dass unsere Gelbe-Sack-Beutel alle sind, habe ich mir am Wochenende Gedanken über meine Einstellung zu Umwelt und Nachhaltigkeit gemacht.

Ich bin jetzt einfach mal so selbstbewusst zu behaupten, dass ich nicht dumm und besonders auch im Bereich der emotionalen Intelligenz kein Totalausfall bin.

Im Bereich der ökologischen Intelligenz – so nenne ich jetzt einfach mal die Fähigkeit und Einstellung sich ökologisch nachhaltig und sinnvoll zu verhalten – habe ich jedoch so meine Zweifel, ob ich da ein echter Out-performer bin. Bzw. ich weiß, dass ich keiner bin.

Woran merke ich das? Ein Geständnis:

  1. Wir haben im ganzen Haus keine Energiesparlampe und die Ankündigung, dass es bald keine richtigen Glühbirnen mehr geben würde, hat bei mir eher zu Hamsterkäufen geführt.
  2. Ich trenne den Müll in Hausmüll, Papier und Gelben Sack, aber ehrlich gesagt nur, weil mein strenger Mann aufpasst, dass ich das tue. Und weil man das eben macht. Und weil unsere Mülltonne sonst immer so schnell voll ist, wenn ich da auch noch Plastik reinwerfe. Wenn allerdings unsere Gelben Säcke alle sind, dann habe ich absolut kein schlechtes Gewissen alles in einen Mülleimer zu werfen. Ich empfinde das sogar als echte Komplexitätsverringerung in meinem Leben.
  3. Alle technischen Geräte in unserem Haushalt sind auf Standby und dass obwohl ich schon hundert Mal gehört habe, wie viel Strom es jährlich spart, wenn man alle Geräte ausschaltet. Trotzdem sind sie an.
  4. Ich fahre ein Auto, das ich schön finde, welches aber sicherlich nicht den nächsten Umweltpreis gewinnen wird. Mein Fahrrad finde ich übrigens auch schön, benutze es aber viel zu wenig.
  5. Wir haben eine Heizlampe über der Wickelkommode, ich habe ein Glätteeisen für meine Haare und wahrscheinlich noch zwanzig weitere technische Geräte im Haushalt, die definitiv in die Kategorie Strom-Fresser fallen.
  6. Bei einer CO2-Ausstoß-Analyse unseres Haushaltes müssten wir so einiges an Klimazertifikaten kaufen, um uns klimaneutral zu stellen.
  7. In Momenten, in denen ich ein schlechtes Gewissen über meinen Mangel an ökologischer Intelligenz habe, tröste ich mich mit dem Gedanken, dass die Amerikaner viel schlimmer sind.

Woran liegt das? Ein Erklärungsversuch:

Ich wurde 1979 geboren. Die 80er Jahre waren davon geprägt, dass ein ökologisches Bewusstsein Einzug in die Gesellschaft erhielt. Mein Mann, der diese Zeit – 1964 geboren – sehr aktiv miterlebt hat, beschreibt es als ein grünes Lebensgefühl, welches in dieser Zeit – gerade bei jungen Leuten – geprägt wurde. Man machte sich  Gedanken um die Nachhaltigkeit seines Handelns und fing an Verantwortung für Umweltthemen zu übernehmen. Grün-sein war kein Trend, sondern eine Überzeugung.

In dieser für Umweltbewusstsein wohl sehr prägenden Zeit war ich 0-10 Jahre alt und habe wenig von dem Thema mitbekommen. Mein Mann hingegen hat aus dieser Zeit Erinnerungen wie „die ersten autofreien Sonntage“, „Ölkrise“, „Leere Autobahnen“, „Bäume am Baggersee pflanzen“ oder Helmut Schmidts mahnende Worte „Lasst Eure Autos stehen, 2005 geht uns das Öl aus“.

Als ich dann 15 Jahre aufwärts war und mich begann für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu interessieren, spielten weder „Die Grünen“ noch die Umweltbewegung eine dominante Rolle. „Ökos“ waren eher eine Randgruppe, die wir etwas wunderlich fanden. Themen wie die deutsche Einheit und die Anfänge der New Economy brannten sich viel mehr in meinen Kopf ein. Mein Vater war zwar ein großer Nutzer von Energiesparlampen und vertraute besonders im Winter eher auf Körpertemperatur denn auf Heizkörper. Ich glaube aber das war eher ostwestfälische Sparsamkeit als intrinsisches Umweltbewusstsein.

Folglich kann ich mir meine mangelhafte ökologische Intelligenz nur dadurch erklären, dass sie in meiner Kindheit und Jugend nicht wirklich angelegt wurde.

Doch eigentlich gab es doch gerade in den letzten Jahren genug Gelegenheit dieses Versäumnis nachzuholen? Seit ein paar Jahren erleben wir einen erneuten Boom für Themen wie Nachhaltigkeit, CO2-Bilanz und Umweltbewusstsein. Große Umweltkatastrophen verstärken die Erkenntnis, dass wir uns mehr Gedanken um unsere Umwelt machen sollten. Nachhaltigkeits-Fonds, Social Venture Funds und Sustainability-Kapitel in Geschäftsberichten sind zentraler Bestandteil unseres Wirtschaftslebens geworden.

Und obwohl es eigentlich keiner großen Überzeugung mehr bedürfte, dass wir knappe Ressourcen schonen, nachhaltig Wirtschaften und uns ökologisch sinnvoll verhalten müssen, springt der Funke bei mir – gerade in den kleinen Dingen des Alltags – leider nur sehr langsam über. Ob ich eine (negative) Ausnahme meiner Generation oder die Regel bin, kann ich schwer beurteilen.

Fakt ist, dass ich „ökologische Intelligenz“ (noch) nicht auf meinen Lebenslauf schreiben kann. Und wenn ich es täte wäre es vergleichbar damit, dass ich auch viele Jahre lang bei Sprachen „Spanisch – fließend“ geschrieben habe.

„No puedo hablar espanol“ ist ungefähr alles was ich noch kann.

5 Kommentare
  1. Hallo Verena,

    vielen Dank für die interessanten und selbstehrlichen Gedanken – allerdings glaube ich, daß es den meisten von uns so geht: Wissen und Wille werden nicht in die Tat umgesetzt. Ohne hier großartig Werbung machen zu wollen, am 7. Oktober startet unser Kunde Kofler Energies den "Kofler Energies Club", eine Art ADAC für Immobilienbesitzer, die unabhängig rund um das Thema Energieeffizienz beraten werden wollen. Schau mal auf diese erste Website, vielleicht ist das was für Euch: http://www.KE-Club.de

    Wünsche Dir und Deinen Männern einen schönen Rest-Sonntag, liebe Grüße,

    Peter

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