Social Media für B2B-Unternehmen – was ist wirklich sinnvoll?

Seit Wochen habe ich hier nichts geschrieben. So viele Themen sind in meinem Kopf gewesen, aber bei keinem habe ich mich wirklich kompetent oder berufen gefühlt, darüber zu schreiben. Und es waren einfach auch noch so viele andere Themen in meinem Kopf, über die ich nicht schreiben wollte, so dass ich eine regelrechte Schreibblockade hatte. Heute war der Relaunch von Panfu in 12 Ländern und nachdem dieser nun erfolgreich live gegangen ist, habe ich wieder Platz frei für andere Gedanken.

Beim Thema Social Media für B2B-Unternehmen fühle ich mich auch nicht kompetent, aber ich habe zumindest eine klare Meinung. Und die stelle ich gerne zur Diskussion.

Der Grund, warum ich über dieses Thema schreibe ist, dass ich von vielen Unternehmen angesprochen wurde, die keine Endverbraucher als Kunden haben, sondern in erster Linie andere Unternehmen oder Händler. Und deren Marken beim Endverbraucher so gut wie nicht bekannt sind. Und auch nicht bekannt sein müssen. Trotzdem fragen sich diese Unternehmen natürlich, ob nicht auch sie transparenter und präsenter im Internet sein müssten? Und vor allem wie sie das richtig anstellen? Und ob das überhaupt Sinn macht? Und wenn ja, welchen?

Meine Antwort ist: Ja.

Ja, es macht Sinn, wenn sich auch B2B- Unternehmen mit mehr als einer Standard-Unternehmenswebsite im Netz präsentieren. Und zwar nicht, weil man das heutzutage macht, sondern weil auch sich für sie genauso wie für jedes B2C-Unternehmen Mitarbeiter, potentielle Mitarbeiter, Presse, Öffentlichkeit und Kunden interessieren. Und da sich Social Media in den seltensten Fällen als echte Vertriebsmaschinerie eignet, sondern in erster Linie der Kommunikation mit der Öffentlichkeit dient und im besten Fall Vertrauen in ein Unternehmen stärkt und Neugier für dieses weckt, sollte Social Media nicht allein B2C-Unternehmen vorenthalten sein.

Nur machen bei B2B-Unternehmen viel weniger Social Media Kanäle, Tools oder Instrumente Sinn (oder wie immer man facebook, Twitter, Flickr, Youtube, foursquare, Blogs etc. nennen möchte). In meinen Augen sogar nur eins: Das Unternehmens-Blog.

Twitter macht für ein B2B-Unternehmen überhaupt keinen Sinn. Denn auf Twitter sind zwar viele Multiplikatoren und Meinungsmacher, aber was nutzt es einem, wenn man kein Produkt hat, welches sich am Ende per word-of-mouth verbreiten kann.

Für facebook gilt im Prinzip dasselbe. Auch hier werden weder zukünftige Mitarbeiter, noch B2B-Kunden, noch die Presse sich ein Bild über das Unternehmen machen. Denn es wird verdammt schwierig sein eine B2B-facebook-Seite wirklich zum Leben zu erwecken und am Leben zu halten, wenn man eine beim Endverbraucher unbekannte Marke/unbekanntes Unternehmen ist. Denn das wird kaum jemanden interessieren.

Für Flickr, Youtube, foursquare und alle weiteren „Endverbraucher-Tools“ gilt dasselbe. Wie soll ein Textilfabrikant oder ein Chiphersteller von foursquare profitieren, wenn maximal die eigenen Mitarbeiter in die Lager- oder Fabrikhalle einchecken und dafür dann auch sicherlich nichts umsonst bekommen.

Was bleibt ist ein Unternehmens-Blog. Nichts Neues werdet Ihr denken, aber definitiv etwas Neues für B2B-Unternehmen. (Ich nehme alle Werbe-, Online- und Social-Media-Agenturen aus, die sich hauptberuflich mit diesem Thema beschäftigen).

Denn mit einem Unternehmens-Blog haben unbekannte, kleine oder große, schwer einzuschätzende hidden champions, die großartige Chance ihrem Unternehmen ein Gesicht zu geben. Und Kompetenz auszustrahlen. Und ein Thema zu besetzen. Und sympathisch zu sein.

Wenn z.B. ein Textilunternehmen, welches beinahe ausschließlich technische Gewebe, Funktions- und Objektstoffe produziert ein solches Blog hätte, dann würden neue Mitarbeiter, Kunden sowie jeder, den dieses Thema interessiert, eine Anlaufstelle haben, bei der man mehr über das Unternehmen hinter den Kulissen erfährt als irgendwo sonst. Die Mitarbeiter müssten die Blogposts natürlich selbst verfassen. Das sollte keine Agentur machen. Man würde 6-10 Mitarbeiter auswählen, die gerne schreiben und Spaß an einem solchen Blog hätten. Sie würden ca. zwei Mal pro Woche bloggen, so dass jeder alle 3-5 Wochen an der Reihe wäre. Sie würden Fotos ihrer Büros posten, ein Video eines Messebesuchs drehen, über die Trends der Branche schreiben, Mitarbeiter des Unternehmens vorstellen, von Geschäftsreisen berichten, den Produktionsprozess darstellen und vieles mehr. So ein Blog wäre im Minimum ein sehr starkes Recruiting-Instrument, welches eine deutliche Differenzierung zu anderen Unternehmen darstellen würde. Im Maximum wäre es mehr wert als jede Hochglanz-Unternehmensbroschüre da das Blog authentisch, menschlich, offen, sympathisch, aktuell und lesenswert wäre.

Das leisten Unternehmensbroschüren in den seltensten Fällen.

6 Kommentare
  1. Ich seh das völlig anders. Alle Social Media können auch im B2B erfolgreich eingesetzt werden. Natürlich müssen sie das nicht.
    Facebook sehe ich auch im B2B-Bereich als DIE Anlaufstelle. Erstens lässt sich dort alles aggregieren, was man sonst so im Web macht (Youtube-Videos einbinden, Blogposts per RSS einbinden, …) und zweitens hat man dort einfach 500 Millionen Menschen auf einem Haufen, von denen viele nie von der Firma erfahren würden, wäre sie nicht auf Facebook.
    Twitter macht genau so Sinn. Ich kann aus eigener Erfahrung von einer Bewerbung bei einem Weltmarktführer über Twitter berichten. Auch für kurze Anfragen bzgl. Telefonnummern oder Adressen ist es optimal.
    Für Foursqure fehlt noch ein Geschäftsmodell bzw. die Möglichkeiten sind ziemlich eingeschränkt. Sobald da aber mehr passiert, wird auch dieser Trend B2B erreichen. Da bin ich mir sicher.

    1. Absolut legitim anderer Meinung zu sein – es gibt hier sicherlich auch kein richtig und kein falsch und jeder hat andere Unternehmen im Kopf. Spannend wäre es, wenn Du mir Beispiele von B2B-Unternehmen bei facebook nennen könntest (außer der Krones AG), die die Plattform erfolgreich und gut nutzen. Das wäre toll!

  2. Ich denke man sollte vor allem abwägen wieviel Zeit man investieren möchte. Aber um eine Präsenz bei facebook und Twitter kommt man auch als B2B Unternehmen längerfristig nicht herum. Das Potential ist einfach enorm auch wenn es natürlich im B2C Bereich noch um einiges größer ist.

    1. Das ist genau der Punkt! Natürlich wäre es am besten, wenn jedes Unternehmen und sei es noch so klein Ressourcen für alles hätte und eine umfassende Präsenz im Netz aufbauen könnte. Das ist aber in den wenigsten Fällen gegeben. Vor diesem Hintergrund ist meine Erfahrung meinem Unternehmensblog zu starten und weitere Aktivitäten nachzuziehen.

  3. Märkte verändern sich, Unternehmen verändern sich, Berufe werden geboren. Allein aus diesen Gründen sprießen die Social Media Manager aus dem Boden und das ist gut so. Ich bin ebenfalls anderer Meinung was das Engagement auf Social Networks oder anderen Plattformen angeht. Auch wenn es omnipräsent ist aber man darf beim Gedanken an Social Networks nicht nur an Facebook denken. Klar, sind dort mit Abstand die meisten Menschen unterwegs aber für B2B eignen sich andere Netzwerke wie Xing oder LinkedIn im längen besser. Die Frage ist auch nicht ob man auf diesen Netzwerken präsent sein muss sondern eher warum nicht? Und welche Ziele hat man! Um Facebook als beliebtes Beispiel zu nennen eignet es sich wunderbar als Recruiting Tool. Wo kann man sonst so in der "Crowd" sein Unternehmen präsentieren als dort? Wie einer meiner Vorredner bereits anmerkte, können zahlreiche Tools eingebunden werden. Und Jobs möchte doch jeder haben. Studien belegen auch, dass Studenten sogar gezielt nach einem Facebook Auftritt Wert legen. Websites der Unternehmen wirken hier wie reines Marketing und viele glückliche Menschen sind auf den Bildern zu sehen. Bei Facebook kann man andere Fragen stellen, konkretere. Dann bleiben Xing bzw. LinkedIn diese eignen sich perfekt um die B2B Zielgruppe im Auge zu behalten bzw. neue Kontakte (potentielle Kunden) zu generieren. Hier können mit Unternehmensprofilen Präsenz gezeigt werden. Man darf eben nicht vergessen, dass B2B Entscheider auch Menschen sind und denen ist durchaus bewusst was sie interessiert. Diese haben einen anderen Fokus und nehmen eben genau die im Text angesprochenen unbekannten Marken wahr. Zuletzt möchte ich Twitter noch erwähnen. Dank des Followermodells ist es ja jedem selbst überlassen Nachrichten angezeigt zu bekommen. Wenn es ein Unternehmen schafft sich geschickt zu positionieren thematisch, dann muss es ja nicht immer über das Produkt gehen. Im Social Media, auch im B2B, ist man solange erfolgreich nicht aktiv bis es die Konkurrenz ist. Dann ist es zu spät…

    Ist vielleicht etwas ausführlich geworden aber das kann man so nicht stehen lassen. Und das nicht nur weil ich gerade eine Social Media Strategie für einen Mittelständler entwickle. 😉

  4. Ich mache inzwischen sehr gute Erfahrungen mit regelmäßigen Aktivitäten in meiner nicht mehr ganz kleinen Xing-Gruppe. Vor allem der regelmäßige, wöchentliche Newsletter hat sich als Schlüssel erwiesen.

    Da erreiche ich einfach B2B-Leute, die ich wohl über eine Domain bzw. über einen Unternehmensblog gerade nicht erreichen könnte. Außerdem können so immer wieder ganz andere Themen besprochen werden. Kommunikation über 'dritte Themen', eben nicht die Verkaufsveranstaltung / Tupperparty. Grade der Verzicht auf Werbung wird von den Gruppenmitgliedern sehr geschätzt, weil sie das aus anderen Gruppen auch ganz anders kennen.

    Laien, die in der Flut der Google-Suchergebnisse ertrinken, werden so über eigene Kontakte oder Hinweise im Stream auf die Gruppe aufmerksam und können von Erfahrungen profitieren, ohne daß ich mich um die technischen Grundlagen der Plattform kümmern müßte. Gleichzeitig sind das Leute, die sehr wohl als potentielle Kunden oder indirekte Hinweisgeber infrage kommen, die aber per Suche oder per direkter Ansprache nie identifizierbar wären.

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