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Wie Firmen künftig die besten Mitarbeiter finden

Freitag, 21. August 2015

Es ist eigentlich egal wen man fragt. Ob Mittelständler, DAX-Konzern oder Startup. Die Antwort auf die Frage, was der wichtigste Erfolgsfaktor des Unternehmens sein wird, lautet einstimmig: Die Rekruitierung erstklassiger Mitarbeiter.

Land auf, Land ab wird diskutiert, wie Unternehmen ihr Rekruiting verbessern können im immer stärker werdenden Kampf um die besten Talente. Doch häufig gehen die Maßnahmen der Unternehmen an den Wünschen und Wertvorstellungen der Mitarbeiter vorbei. Wenn man die Menschen fragt, die in Massen in die Startups vor allem in Berlin, Hamburg, München und Köln strömen, warum sie sich für einen Job in diesen jungen Unternehmen entscheiden, statt in größere, traditionelle Unternehmen zu gehen, dann bekommt man spannende Antworten.
Antworten, die zeigen, dass Mitarbeitergewinnung immer anspruchsvoller und vielschichtiger wird.
Und Antworten, die zeigen, dass das Erfolgsgeheimnis, warum sich Menschen für ein bestimmtes Unternehmen entscheiden, immer häufiger die Unternehmenskultur ist. Und zwar nicht die am Reißbrett entworfene, sondern die im Alltag gelebte.
Sie wird zum Maßstab aller Dinge. Sie muss zu den eigenen Überzeugungen passen. Sie muss sich mit den eigenen Werten im Einklang befinden, damit es beim Mitarbeiter wirklich klickt. Aber was sind die Wertvorstellungen und Wünsche, die Menschen heute an ihren Arbeitgeber richten?

Constanze Buchheim, die Gründerin von ipotentials hat es sehr schön gesagt: Macht über die eigene Zeit haben zu können und der Wunsch, Lebenszeit entlang der eigenen Wertvorstellungen einzusetzen, sind in unserer Wahrnehmung zwei der wichtigsten Faktoren bei der heutigen Jobwahl.

Und so wird immer wichtiger, die Bedürfnisse und Wertvorstellungen potentieller Mitarbeiter zu kennen, um diese für sich gewinnen zu können:

  • Selbstbestimmung ist das neue Statussymbol: Diejenigen, die in Positionen arbeiten, in denen sie selbstbestimmt agieren und sich entwickeln können, haben es ‚geschafft‘.
  • (Lebens-)Zeit wird zum höchsten Gut: Sabbaticals und andere zeitliche Freiräume wie Home Office Lösungen, Personal Days oder ähnliches sind unendlich wertvoll für den Mitarbeiter. Die flexible Arbeitszeitgestaltung wird zum zentralen Ansatzpunkt im Anreizsystem. Output ist wichtiger als Input.
  • Arbeitsortgestaltung: Mitarbeiter sind nicht mehr bereit, das eigene soziale Leben für schlechte Standorte aufzugeben oder den Großteil eines Tages an einem ungemütlichen Ort zu verbringen. Standorte und Bürogestaltungen werden zum Wettbewerbsfaktor. Die Qualität der Kaffeemaschine und die Wahlmöglichkeit des Arbeitsgeräts (Mac, iPhone etc.) wird zum Entscheidungskriterium.
  • Wertekongruenz und Identifikation: Kandidaten möchten eher bei den Unternehmen arbeiten, deren Wertesysteme ihrem eigenen sehr ähnlich sind und deren Vision und Mission sie somit mittragen wollen, damit die Lebenszeit sinnvoll eingesetzt ist. Private und berufliche Gedankenwelten verschmelzen, weil beide Bereiche für den Mitarbeiter identisch wertvoll sind. Dennoch oder gerade deshalb wird darauf geachtet, dass Zeit für Privates nicht zu kurz kommt.
  • Geld verliert Steuerungskraft: Geld ist nicht weniger wichtig, aber niemand ist mehr bereit, die eigenen Werte für mehr Geld zu verkaufen. Dennoch ist das Gehalt und seine Entwicklung weiterhin ein Maßstab für Erfolg und Wertschätzung.
  • Status verliert an Bedeutung: Status ist per se dem Wunsch nach Augenhöhe gegenläufig, daher wird er immer stärker abgelehnt. Besitz ist kein Statussymbol mehr, sondern belastet vielmehr. Die Bahncard wird dem Dienstwagen vorgezogen.
  • Titel werden unwichtig: Führungsanspruch entsteht aus Vertrauen und Kompetenz, nicht durch Ernennung. Titel werden daher unbedeutend. Eventuell werden Führungskräfte in wenigen Jahren vielleicht sogar gewählt.
  • Entwicklungsmöglichkeiten: Wunsch nach stetiger Entwicklung entspringt der Überlegung, das Beste aus dem Leben zu machen und sich stets Wahlmöglichkeiten zu erhalten. Entwicklung bedeutet aber nicht immer Drang zu führen. Aufstieg wird nicht um jeden Preis erwünscht.
  • Management mit Vertrauen: Es wird unnötig – Wertekongruenz vorausgesetzt – den Mitarbeiter zu kontrollieren, weil er ein Eigeninteresse am Ergebnis hat. Aus diesem Grund ist auch eine zu starke Arbeitszeitregulierung nicht mehr nötig, Mitarbeiter wünschen sich auch vor dem Hintergrund ihres Selbstbildes und des privaten Fokus Selbstbestimmung mit Blick auf die Arbeitszeitgestaltung. Der Wunsch auf Augenhöhe im Unternehmen behandelt zu werden ist stark ausgeprägt. Entsprechend ist eine Anpassung der Kommunikation zwischen Führungskraft und Mitarbeiter und eine partnerschaftliche Führungsbeziehung wichtig.
  • Innovationsstärke: Niemand will mehr in ‘angestaubten’ Umfeldern arbeiten mit veralteten Methoden und Werkzeugen – innovative Unternehmen haben es definitiv einfacher gute Leute zu bekommen, weil sie eine bessere Reputation haben und Arbeit dort mehr Spaß macht und einfacher ist.

Warum Deutschland Berlin braucht!

Sonntag, 28. Dezember 2014

Seit ein paar Wochen habe ich meine eigene Kolumne “Pausder auf den Punkt” auf www.wiwo.de. Hier werde ich in Zukunft 1x pro Monat zu einem Thema meiner Wahl schreiben. Falls Ihr also Wünsche oder Ideen habt, her damit! Meine Kolumne habe ich mit dem Thema “Warum Deutschland Berlin braucht” gestartet! Happy reading:)

Berlin ist Hauptstadt. Berlin ist Weltstadt. Berlin ist hip und cool. Berlin ist der Spielplatz der Gründer und der digitale Durchlauferhitzer der Republik.

Während sich Car2go aus Düsseldorf und Ulm zurückzieht, boomt Carsharing in Berlin und wir prügeln uns um das nächstgeparkte Auto.

Wir lieben Uber und wundercar, stellen unsere Wohnungen auf airbnb und Wimdu ein und leihen uns Abendkleider bei Laremia.

Wir trinken den besten Kaffee der Welt und bringen unsere Hunde mit ins Büro. Ach ja, apropos Büros: Wir wollen nicht mehr in Teppich-Büros mit niedrigen Decken und Oberlichtern arbeiten, sondern der Arbeitsplatz soll etwas Besonderes sein. Nicht nur inhaltlich, sondern vor allem auch optisch. Soundcloud, Researchgate, wooga und Onefootball machen es vor.

Wir co-worken im betahaus, St. Oberholz oder Soho House und finden Einzelbüros höchst suspekt.

Wir bestellen Produkte, die noch keiner kennt, auf Kickstarter und crowd-investieren bei Companisto, Seedmatch, indiegogo und Bergfürst. Nicht, weil wir wirklich mit einer Rendite rechnen, sondern weil wir einfach dabei sein wollen.

Wir trainieren mit Freeletics, Runtastic und gymondo und haben schon lange kein Fitness-Studio mehr von innen gesehen. Wir bestellen unser Essen bei Home Eat Home, Eatfirst oder Marley Spoon und finden es zeitraubend im Supermarkt einzukaufen.

Und wir werden sicherlich die Ersten sein, die mit Google Glass und iWatch durch die Straßen rennen und Nutzerreports ins Netz stellen.

All dies mag Menschen außerhalb von Berlin hochgradig suspekt vorkommen. Viele mag diese vermeintliche Parallelwelt an einen Hype oder gar eine Blase erinnern. Und dass die Gesamtheit aller Berliner Startups mehr Verlust als Umsatz macht, ist für Viele ein weiterer Indikator dafür, dass es sich bei diesem digitalen Versuchslabor eher um ein vorübergehendes Phänomen als um eine ernstzunehmende Zukunftsschmiede handeln kann.

Aber dieser Schluss ist falsch.

Berlin braucht den Rest von Deutschland – das ist richtig. Denn natürlich sind der Mittelstand und die Schwergewichte unserer Wirtschaft immer noch das Rückgrat unseres Landes.

Aber der Rest von Deutschland braucht auch immer mehr Berlin.

Denn was in Berlin gerade passiert, sollten sich Unternehmensvertreter des Mittelstands und der Old Economy ganz genau ansehen. Kein Unternehmen kann es sich leisten, die Produkte, Dienstleistungen und die Lebensweise, die hier Trend ist, zu ignorieren oder klein zu reden.

Während es in Rest-Deutschland immer noch keine Kultur des Scheiterns oder des Fehler-Eingestehens gibt, ist es in Berlin teurer geworden stehen zu bleiben als Fehler zu machen oder zu scheitern. Und das lässt die Schere zwischen der digitalen Wirtschaft und den traditionellen Unternehmen immer weiter aufgehen.

Berlin ist in puncto Startups das Labor der Republik.

Nirgendwo sonst in Deutschland wird so viel ausprobiert, experimentiert, hinterfragt und iteriert. Nirgendwo sonst werden die bisherige Arbeitswelt und die existierenden Unternehmen so sehr in Frage gestellt wie hier. Es gibt keine alten Zöpfe, die nicht abgeschnitten werden dürfen und es gibt keine Barrieren in den Köpfen, was geht und was nicht geht.

Alles ist möglich.

Aber das heißt nicht, dass alles erfolgreich ist.

Zum Glück nicht.

Denn Innovationen sind das Ergebnis von trial and error. Sie sind das Ergebnis von Prototypen, Fehlern, neuen Prototypen und schließlich der Essenz, die das Potential hat, am Markt erfolgreich zu sein.

Nicht jede Idee ist gut, nicht jedes Startup schafft die nächste Finanzierungsrunde, nur sehr wenige werden international erfolgreich. Aber entscheidend ist, dass es immer mehr werden. Und zwar mehr Menschen für die Unternehmertum und die neuen Technologien die beste Option darstellen, die Zukunft zu gestalten.

Die Digitalisierung ist keine Option mehr. Es geht nicht darum, ob ich als Unternehmen an ihr teilnehmen möchte oder nicht. Die Digitalisierung ist da und sie betrifft jeden Wirtschaftszweig, jedes Unternehmen und jeden Menschen. Wir leben in einer Zeit des noch nie vorher dagewesenen Wandels. Kein Stein bleibt auf dem Anderen, alles wird in Frage gestellt, alles verändert sich.

Und in Zeiten solch exponentiellen Wandels braucht die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt eine digitale Speerspitze.

Und das ist Berlin.