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Zukunftsbremse Schule

Dienstag, 28. Juni 2016

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Wir brauchen einen neuen Lehrplan für unsere Schüler. Durch den Föderalismus haben wir eines der komplexesten Bildungssysteme der Welt – aber leider bei weitem nicht das beste. Und erst Recht keines mit Zukunft.

Unsere Kinder lernen heute immer noch weitestgehend dieselben Inhalte, wie wir sie schon gelernt haben. Und das, obwohl sich unser Leben, unsere Gesellschaft, die Weltordnung und die Herausforderungen der Zukunft massiv verändert haben.

Vom Schuljahr 2016/2017 an wird zum Beispiel in Berlin und Brandenburg ein neuer Rahmen-Lehrplan eingeführt. Wirklich neu und zukunftsweisend ist er nicht. Einzig, dass die Medienbildung auf eine curriculare Grundlage gestellt wird, kann man als kleinen Erfolg werten.

Aber das kann doch nicht alles sein. Es reicht nicht, die Lehrpläne der Bundesländer alle paar Jahre ein bisschen zu optimieren und hier und da etwas anzupassen.

Was wir brauchen, ist eine Agenda 2020 für die Schule der Zukunft.

Ich weiß, Agenda klingt immer nach Arbeitskreis, den man bekanntlich gründet, wenn man nicht mehr weiter weiß. Immer wenn Menschen mit der Gegenwart unzufrieden sind, schreien sie nach einer Agenda. Das gibt einem das gute Gefühl, ein Ziel ausgegeben zu haben. Den Weg sollen dann oft die anderen gehen.

Das soll hier nicht passieren. Unser Vorbild sollte die Agenda 2010 von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder sein, mit der er den Arbeitsmarkt in Deutschland verändert hat.

Wir müssen den Mut haben, den Lehrplan der Zukunft komplett neu zu denken, und zwar heute.

Mit komplett neu denken sage ich nicht, dass alles schlecht ist. Im Gegenteil: Das Abitur in Deutschland hat weltweit einen sehr guten Ruf, und aus uns ist ja auch etwas geworden.

Aber es geht darum, dass die Lerninhalte auf den Prüfstand kommen und auf die Lebensrealität und die Herausforderungen der Zukunft abgestimmt werden.

Fächer wie IT, Programmieren, Medienkompetenz, Wirtschaft, Gesundheit, Umweltschutz, Energie und Lebens-Management (was kann ich, was will ich, wer bin ich und zu wievielt) sucht man bisher vergebens auf den Lehrplänen. England hat gerade IT als Schulfach flächendeckend eingeführt, wir haben es noch nicht mal für 2016/2017 auf dem Schirm.

Wie toll – und vor allem wichtig – wäre es, das Schulfach „Programmieren/IT“ deutschlandweit einzuführen. Programmieren wird die Weltsprache der Zukunft sein und mehr zur Völkerverständigung beitragen als jede Fremdsprache. Wie schade, dass wir Deutschen drohen,  zu digitalen Analphabeten zu werden.

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Niemand soll mich falsch verstehen. Es geht nicht um die Ökonomisierung des Menschen und nicht darum, im Lehrplan alles auf die Maximierung der Leistungsfähigkeit der Schüler auszurichten. Es ist auch weiterhin wichtig, dass unsere Kinder eine fundierte Allgemeinbildung bekommen und besonders auch Raum für geisteswissenschaftliche Inhalte ist.

Aber Fakt ist, dass die Menschen in der Zukunft eine andere Ausbildung haben müssen. Unsere Kinder müssen lernen, mit den neuen Medien umzugehen und sich mit Ressourcenknappheit und -effizienz auszukennen. Für unsere Kinder werden Umweltschutz und Nachhaltigkeit keine hehren Ziele, sondern tägliche Anforderungen und Lebensrealität sein. Sie werden durch die Digitalisierung mit einer radikal veränderten Lebens- und Arbeitswelt konfrontiert werden, auf die wir sie in den Schulen vorbereiten müssen.

In Freiburg ist an einer Grundschule mit Schülern aus überwiegend bildungsfernen Elternhäusern als Pilotprojekt das Schulfach „Resilienz“ eingeführt worden. Es geht darum, den Schülern Selbstvertrauen, Empathie und Widerstandskraft beizubringen. Das Schulfach soll ihnen die Fähigkeit vermitteln, sich an eine verändernde Umwelt anzupassen, Veränderung als Chance zu sehen und nach Niederlagen wieder aufzustehen, neuen Mut zu sammeln und weiter zu machen.

Klingt wie das wichtigste Schulfach der Zukunft!

Denn wie die genau aussehen wird, weiß keiner. Umso wichtiger wird es, unseren Kindern das Rüstzeug an die Hand zu geben, die Zukunft als Chance zu sehen, flexibel auf sie zu  reagieren und nach Rückschlägen emotionaler und beruflicher Natur schnell wieder zu alter Form zurückfinden zu können.