Archiv für die Kategorie „Kinder“

Mehr Geld und Anerkennung für ErzieherInnen!

Sonntag, 10. Mai 2015

Heute ist Muttertag! Und von allen Seiten bekommt man als Mutter Wertschätzung, Aufmerksamkeit, Geschenke und Liebe.

Ich bekam von vielen verschiedenen Freundinnen heute Morgen folgende Whatsapp-Nachricht geschickt:

Lebenslauf einer Mutter

Job-Erfahrungen

Taxi
Psychologin
Lehrerin
Krankenschwester
Babysitter
Eventmanagerin
Waschfrau
Putzfrau
Kinderärztin
Köchin
Bäckerin
Polizistin
Richterin
Dekorateurin
Lebensberaterin
Komikerin

Arbeitszeit;
24 uhr bis 24 uhr
Gehalt:
Das Lächeln der eigenen Kinder

Ich wollte mir gerade schon innerlich auf die Schulter klopfen, was ich alles meistere, als ich einen zweiten Blick auf die Liste warf und überlegt habe, welche dieser “Jobs” ich mir eigentlich mit den ErzieherInnen meiner Söhne teile. Dabei kam folgende Jobbeschreibung heraus:

Lebenslauf einer Erzieherin/eines Erziehers

Job-Erfahrungen

Psychologin
Lehrerin
Krankenschwester
Eventmanagerin
Putzfrau
Polizistin
Richterin
Dekorateurin
Lebensberaterin
Komikerin

Gehalt:
Das Lächeln meiner Kinder + 1800 Euro Bruttogehalt (wenn es sehr gut läuft)

Wie viele Erzieherinnen haben heute wohl eine wertschätzende Whatsapp-Nachricht bekommen? Mein Tipp: keine! (außer sie sind selber Mutter)

Wie kann es sein, dass in unserem Land, welches wenig Bodenschätze, Fachkräfte und Kinder hat und in dem Bildung ein Kern-Erfolgsfaktor für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft ist, Menschen, die unsere Kinder betreuen, so wenig Geld und Anerkennung dafür erhalten.

Hochschulprofessoren und Lehrer verdienen ein Vielfaches dessen, was ein Erzieher auf dem Lohnauszug hat. Warum eigentlich? Wissen wir nicht längst alle, dass die jungen Jahre eines Menschen die wertvollste und beste Zeit sind, um ihn in sozialer und geistiger Hinsicht auf das Leben vorzubereiten? Aber wie wollen wir mehr Menschen dazu bringen, Erzieher zu werden, wenn wir sie schlecht bezahlen und dem Berufsbild so wenig Wertschätzung entgegenbringen?

Es ist höchste Zeit für eine echte Lobby für Bildungs- und Erziehungsberufe in Deutschland. In Kanada sind Erzieher und Lehrer so gut angesehen wie Ärzte. Singapur hat das Bildungssystem revolutioniert, in dem es ein High-Potential-Programm in den Lehrer- und Erzieher- Studiengängen eingeführt hat.

Wir haben das irgendwie noch nicht so richtig verstanden.

Wir bauen brav eine Kita nach der anderen und denken, damit sei unsere Mission erfüllt. Das Problem ist, dass wir die Menschen vergessen haben, die in diesen Einrichtungen arbeiten. 

Daher appelliere ich heute an all uns Eltern, die sich in einem “wichtigen” Beruf fühlen: Wann haben wir zum letzten Mal die ErzieherInnen unseres Kindes als echten Profi auf ihrem Gebiet wahrgenommen und sie um Rat gefragt? Wann haben wir uns das letzte Mal für ihre Unterstützung, Arbeit und Fürsorge bedankt?

Heute ist doch ein guter Tag dafür!

Daher würde ich den heutigen Muttertag gerne all unseren ErzieherInnen widmen, die sich tagtäglich mit so viel Liebe und Umsicht um unsere Kinder kümmern, sie auf das Leben vorbereiten und sich so viele Gedanken um sie machen als wären es ihre eigenen.

Jede Mutter am Muttertag heute und jeder Vater am Vatertag am kommenden Donnerstag weiß, dass wir ohne unsere ErzieherInnen niemals einen so guten Job in der Erziehung unserer Kinder machen würden! Also nutzen wir diesen Tag doch einfach, um es ihnen zu sagen.

Per WhatsApp, Email oder SMS.

Jetzt gleich.

Bitte!

 

 

 

Frauenquote? Really?

Dienstag, 10. Dezember 2013

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Das Thema Frauenquote ist (mal wieder) omnipräsent. Eigentlich war es nie weg,  aber jetzt ist es amtlich: Ab 2016 sollen 30% der neu zu besetzenden Aufsichtsratspositionen durch Frauen besetzt werden.

Bisher habe ich mich immer erfolgreich um eine abschließende Meinung zum Thema „Frauenquote“ gedrückt, aber jetzt habe ich plötzlich das Bedürfnis nach einer klaren Position. Gar nicht so einfach.

Ein Selbstversuch.

Die Frauen meiner Generation wollen viel vom Leben und es wird viel von ihnen erwartet. Wir wollen (mal mehr, mal weniger) und sollen Kinder bekommen, gerne mehr als 1,3 und gleichzeitig Karriere machen und die Führungsetagen erobern.

Best of all worlds ist das Ziel.

Überforderung und Selbstzweifel häufig die Realität.

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Aus meiner Sicht werden wir ein modernes Frauenbild in Deutschland prägen und junge Frauen für ihren Weg bewundern und respektieren, wenn wir sie selber entscheiden lassen, welchen Weg sie gehen wollen. Eine kinderlose Top-Managerin kann genau so glücklich werden wie eine Vollzeitmutter, die keinen Beruf ausübt. Eine Mutter, die Teilzeit arbeitet kann genauso erfüllt sein (von Job und Kindern) wie eine Vollzeit-arbeitende Mutter. Entscheidend für das Glück jeder Einzelnen (und damit der Gesellschaft) ist – wie ich bereits schon mal in diesem Blogpost geschrieben habe – , dass wir aufhören Frauen durch Frauenquote und Betreuungsgeld zu bevormunden und ihnen anfangen zuzutrauen, dass sie in der Lage sind ihren Weg selber zu gehen.

Im Gegenzug dürfen wir jungen Frauen uns nicht über mangelnde Chancen beschweren – denn sie sind größer und vielfältiger denn je – sondern unser Leben selbst in die Hand nehmen. Es ist neu, dass wir die Wahl haben. Jetzt müssen wir den Mut haben, die Chancen, die sich bieten, selbstbestimmt zu ergreifen.

Folglich bin ich gegen die Quote.

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Unsere Kinder sind kein Projekt

Donnerstag, 7. Februar 2013

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Alle paar Monate kommt dieser Moment. Dass mir ein Thema plötzlich so unter den Fingernägeln brennt, dass ich nicht anders kann als meinen Gedanken freien Lauf zu lassen und sie ohne viel Nachdenken herunterzuschreiben.

Am Sonntag gab es mal wieder so einen Moment. In der „Welt am Sonntag“ habe ich den Artikel „Die Geschichte vom ewigen Zappelphilipp“ gelesen mit der Unter-Überschrift „Nie zuvor wurden in Deutschland so viele ADHS-Fälle diagnostiziert“.

Dieser Artikel hat eine Flut von Gefühlen und Gedanken bei mir freigesetzt, die ich jetzt ungefiltert mit Euch teile.

Der Stein meines Anstoßes ist das folgende Zitat einer Mutter in dem WamS-Artikel:

„Wenn im Kindergarten alle malten, zog mein Sohn sich zurück und las. Und heute noch, wenn ich in sein Zimmer komme, und er sitzt mit dem Rücken zur Wand, dann erschrickt er sich zu Tode, weil er sich in einer Parallelwelt befindet“.

Ja und?

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