Archiv für die Kategorie „Unternehmensführung“

Wie Firmen künftig die besten Mitarbeiter finden

Freitag, 21. August 2015

Es ist eigentlich egal wen man fragt. Ob Mittelständler, DAX-Konzern oder Startup. Die Antwort auf die Frage, was der wichtigste Erfolgsfaktor des Unternehmens sein wird, lautet einstimmig: Die Rekruitierung erstklassiger Mitarbeiter.

Land auf, Land ab wird diskutiert, wie Unternehmen ihr Rekruiting verbessern können im immer stärker werdenden Kampf um die besten Talente. Doch häufig gehen die Maßnahmen der Unternehmen an den Wünschen und Wertvorstellungen der Mitarbeiter vorbei. Wenn man die Menschen fragt, die in Massen in die Startups vor allem in Berlin, Hamburg, München und Köln strömen, warum sie sich für einen Job in diesen jungen Unternehmen entscheiden, statt in größere, traditionelle Unternehmen zu gehen, dann bekommt man spannende Antworten.
Antworten, die zeigen, dass Mitarbeitergewinnung immer anspruchsvoller und vielschichtiger wird.
Und Antworten, die zeigen, dass das Erfolgsgeheimnis, warum sich Menschen für ein bestimmtes Unternehmen entscheiden, immer häufiger die Unternehmenskultur ist. Und zwar nicht die am Reißbrett entworfene, sondern die im Alltag gelebte.
Sie wird zum Maßstab aller Dinge. Sie muss zu den eigenen Überzeugungen passen. Sie muss sich mit den eigenen Werten im Einklang befinden, damit es beim Mitarbeiter wirklich klickt. Aber was sind die Wertvorstellungen und Wünsche, die Menschen heute an ihren Arbeitgeber richten?

Constanze Buchheim, die Gründerin von ipotentials hat es sehr schön gesagt: Macht über die eigene Zeit haben zu können und der Wunsch, Lebenszeit entlang der eigenen Wertvorstellungen einzusetzen, sind in unserer Wahrnehmung zwei der wichtigsten Faktoren bei der heutigen Jobwahl.

Und so wird immer wichtiger, die Bedürfnisse und Wertvorstellungen potentieller Mitarbeiter zu kennen, um diese für sich gewinnen zu können:

  • Selbstbestimmung ist das neue Statussymbol: Diejenigen, die in Positionen arbeiten, in denen sie selbstbestimmt agieren und sich entwickeln können, haben es ‚geschafft‘.
  • (Lebens-)Zeit wird zum höchsten Gut: Sabbaticals und andere zeitliche Freiräume wie Home Office Lösungen, Personal Days oder ähnliches sind unendlich wertvoll für den Mitarbeiter. Die flexible Arbeitszeitgestaltung wird zum zentralen Ansatzpunkt im Anreizsystem. Output ist wichtiger als Input.
  • Arbeitsortgestaltung: Mitarbeiter sind nicht mehr bereit, das eigene soziale Leben für schlechte Standorte aufzugeben oder den Großteil eines Tages an einem ungemütlichen Ort zu verbringen. Standorte und Bürogestaltungen werden zum Wettbewerbsfaktor. Die Qualität der Kaffeemaschine und die Wahlmöglichkeit des Arbeitsgeräts (Mac, iPhone etc.) wird zum Entscheidungskriterium.
  • Wertekongruenz und Identifikation: Kandidaten möchten eher bei den Unternehmen arbeiten, deren Wertesysteme ihrem eigenen sehr ähnlich sind und deren Vision und Mission sie somit mittragen wollen, damit die Lebenszeit sinnvoll eingesetzt ist. Private und berufliche Gedankenwelten verschmelzen, weil beide Bereiche für den Mitarbeiter identisch wertvoll sind. Dennoch oder gerade deshalb wird darauf geachtet, dass Zeit für Privates nicht zu kurz kommt.
  • Geld verliert Steuerungskraft: Geld ist nicht weniger wichtig, aber niemand ist mehr bereit, die eigenen Werte für mehr Geld zu verkaufen. Dennoch ist das Gehalt und seine Entwicklung weiterhin ein Maßstab für Erfolg und Wertschätzung.
  • Status verliert an Bedeutung: Status ist per se dem Wunsch nach Augenhöhe gegenläufig, daher wird er immer stärker abgelehnt. Besitz ist kein Statussymbol mehr, sondern belastet vielmehr. Die Bahncard wird dem Dienstwagen vorgezogen.
  • Titel werden unwichtig: Führungsanspruch entsteht aus Vertrauen und Kompetenz, nicht durch Ernennung. Titel werden daher unbedeutend. Eventuell werden Führungskräfte in wenigen Jahren vielleicht sogar gewählt.
  • Entwicklungsmöglichkeiten: Wunsch nach stetiger Entwicklung entspringt der Überlegung, das Beste aus dem Leben zu machen und sich stets Wahlmöglichkeiten zu erhalten. Entwicklung bedeutet aber nicht immer Drang zu führen. Aufstieg wird nicht um jeden Preis erwünscht.
  • Management mit Vertrauen: Es wird unnötig – Wertekongruenz vorausgesetzt – den Mitarbeiter zu kontrollieren, weil er ein Eigeninteresse am Ergebnis hat. Aus diesem Grund ist auch eine zu starke Arbeitszeitregulierung nicht mehr nötig, Mitarbeiter wünschen sich auch vor dem Hintergrund ihres Selbstbildes und des privaten Fokus Selbstbestimmung mit Blick auf die Arbeitszeitgestaltung. Der Wunsch auf Augenhöhe im Unternehmen behandelt zu werden ist stark ausgeprägt. Entsprechend ist eine Anpassung der Kommunikation zwischen Führungskraft und Mitarbeiter und eine partnerschaftliche Führungsbeziehung wichtig.
  • Innovationsstärke: Niemand will mehr in ‘angestaubten’ Umfeldern arbeiten mit veralteten Methoden und Werkzeugen – innovative Unternehmen haben es definitiv einfacher gute Leute zu bekommen, weil sie eine bessere Reputation haben und Arbeit dort mehr Spaß macht und einfacher ist.

#BERschämend – Meine persönliche Demo gegen die BER-Führung

Dienstag, 22. April 2014

No BER

Seit 2,5 Jahren lebe ich in Berlin. Seit 2,5 Jahren liebe ich das Leben in dieser Stadt. Seit 2,5 Jahren versuche ich die Berichterstattung über Verschiebungen, Pannen und Katastrophen rund um den BER zu ignorieren.

Seit 2,5 Wochen funktioniert das nicht mehr.

Ich habe mich nie eingereiht in die Anti-Berlin-Parolen, dass hier alles länger dauert, alles schlechter geplant, die Stadt eine einzige Baustelle und die Stadtplanung eine Katastrophe ist. Denn ich habe immer lieber gesehen, was sich in Berlin bewegt und was diese Stadt so lebendig und spannend macht wie kaum eine andere.

Aber BER ist nicht Berlin. BER ist nicht lebendig und spannend. BER ist nicht weltoffen und cool. BER ist nicht zukunftsweisend und innovativ.

BER ist BERschissen gemanagt, BERatungsresistent und BERschämend für unser ganzes Land.

BER ist das personifizierte Versagen der alten Management-Garde und Politik.

4,6 Milliarden Euro hat der Flughafen bisher gekostet. 2 Milliarden sollte er kosten. Und ein Ende der Verschwendung ist nicht in Sicht. Schätzungen besagen, dass es bis zur Fertigstellung – ach ja, wann war die nochmal? –mind. noch 1,4 Milliarden mehr werden. Bei späterer Fertigstellung noch mehr.

Ich überlasse es Journalisten zu erheben, was man in Deutschland mit mind. 4 Milliarden Euro hätte machen können.

Im Zweifel ziemlich viel.

Aber das ist es noch nicht mal was mich so richtig wütend macht. Denn dass Sparsamkeit nicht die Kernkompetenz unserer Politik ist und wir permanent über unsere Verhältnisse leben, daran habe ich mich schon fast gewöhnt.

Was mich richtig wütend macht ist die Verantwortungslosigkeit, Kritikunfähigkeit und fehlende Konsequenzbereitschaft der BER-Führung. Da wird mit stoischer Sonnengott-Attitüde das Missmanagement eines Großprojekts zelebriert, welches wir Tag für Tag mit unseren Steuergeldern bezahlen.

Da werden mit einer Selbstverständlichkeit und Selbstherrlichkeit Fehler kaschiert, Termine nicht eingehalten und Schuld von sich gewiesen wie es in der heutigen Arbeitswelt und -kultur undenkbar geworden ist.

Da trägt die alte Managementgarde vor den Augen der Öffentlichkeit ihren Arbeits- und Führungsstil zu Grabe. Einen Führungsstil, der geprägt ist von großen Egos, Hierarchien und Angstkultur. Von der naiven Vorstellung, dass es lediglich einen Messias oder Übervater brauche, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, den man selber richtig tief reingeschoben hat.

Die alte Management-Garde glaubt immer noch, dass die größten Egos den größten Erfolg erzielen. Dass ein Sonnengott durch seine pure Präsenz Brandschutzauflagen erfüllen und grobe Baumängel ausmerzen kann. Dass Einzelbüros, lange Flure und intransparente Entscheidungen ein Zeichen der Stärke und eine offene Gesprächskultur, Fehlereingeständnisse und Kritikfähigkeit eine Führungsschwäche bedeuten.

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Passion

Mittwoch, 19. September 2012

I am very passionate. About a lot of things. It is basically my „conditio sine qua non“, something I cannot live without. Passion is my personal basis for motivation, enthusiasm and success. If I am not passionate about something I will not be very good at it. Neither try particularly hard. And people will notice that it is something I have to do rather than something I love doing.

So when I got the invitation to speak at the Hasso Plattner Forum last week about passion I passionately said „yes“!

I was running through the Volkspark Friedrichshain a few days before the Forum and started thinking about my speech and what passion actually means to me in business life. And what the ingredients of passion are. I came up with 7 things that drive and show my passion. Their first letters make up the word „passion“. So here we go:

Seven principles of passion

People – You might say this is a no-brainer. Or something everybody would say. But seriously, if you think about passion it is almost naturally linked to the people around you. In my eyes you can only be passionate about something if you are surrounded by the right people. And with that I don´t only mean team members, but also customers, investors, the press, your peer group and your family. We are a tech company and could easily hide behind our computers and devices. So it is absolutely vital that we experience real moments with real people. And that we show and receive human reactions to our products. I am most passionate about our company and the Apps we develop when I experience kids or their parents playing our Apps. That is our purpose of existing as a company. It makes us passionate that we create Apps and games that add fun, colour, laughter and entertainment to peoples lives.

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Don´t be the boiled frog – my talk at TEDxBerlin

Montag, 30. Januar 2012

On the 21st of November I gave my first TEDtalk at the TEDx Berlin. The chance was given to me by Joana Breidenbach and Jörg Rheinboldt, two members of the TEDxSteering Committee who encouraged me to take the chance of talking about something I am passionate about. “High energy” was the main topic of the TEDx Berlin and that made me feel I was in the right place:-)

I have watched many TEDtalks over the last years and I am fascinated by the TED concept of “ideas worth spreading”. Great people from different backgrounds, cultures and disciplines share their thoughts, ideas, inventions and experiences with others. The topics are as diverse as the people and TED gives a lot of motivation and inspiration to everyone listening to the talks. One of my favorite talks is from Lewis Pugh, who swam the North Pole. His talk was shown at this years’ TEDxBerlin just before I came on stage:

What I actually found most impressive when I decided to join TEDxBerlin 2011 as a speaker was the amount of preparation that goes into these TEDtalks. TEDxBerlin offers each speaker personal coaching sessions with Ole Tillmann in the weeks before the conference takes place. In addition there is a final rehearsal on the evening before the event so everybody gets to practice his talk on stage and gets used to beamer, cameras and lights. This preparation is so important. And it makes such a difference! How many conferences and events do we all know where speakers just give a standard talk or presentation with overloaded slides and little preparation and passion?

TED is different. Here the speakers feel the responsibility of giving the best they can to a highly involved and interested audience. You don´t want to waste people’s time and you want to give the talk of your life. And not just another standard presentation.

A further important factor that adds to the quality of the talks is the fact that TED limits your talk to a maximum of 18 minutes. This leads to clearer thoughts, a clearer structure, stronger take-aways and a more concise train of argumentation of the speakers. You can´t spend too much time on irrelevant points that don´t bring across a message and you have to focus on the important points you want to state, because you have limited amount of time.

Boiled frog

The topic of my talk was “Don´t be the boiled frog – jump”. It was about companies getting too comfortable in their comfort zone. They start losing their alertness and energy to constantly question and reinvent themselves. They behave like the frog in the warm water that misses the point to jump out of the pot before the water starts boiling. I shared 5 lessons learnt from Young Internet on how we pushed ourselves out of the comfort zone and the hot water and how other companies can do the same.

I truly believe it will be those companies that will be successful in the future that don´t wait until the water boils and that don´t wait until the platform is burning, but that stay entrepreneurial, stay hungry and actually jump to reach the next level.

Mehr Gründerinnen und Unternehmerinnen braucht das Land!

Montag, 26. September 2011

Schon so lange wollte ich mich mal zu dem Thema “Gründerinnen” und “Unternehmerinnen” äußern und dann kam Gründerszene vorbei und hat mir die richtigen Fragen gestellt. Und plötzlich war es ganz einfach Antworten zu haben:-)

The Big Five for Life – was wirklich im Leben zählt!

Sonntag, 4. September 2011

Während meines Urlaubs habe ich ein Buch gelesen, welches mich schwer beeindruckt hat: The Big Five for Life. Danach habe ich es bei facebook und Twitter empfohlen und wahrscheinlich jedem, den ich getroffen habe, davon erzählt. Dann habe ich 65 Exemplare für alle Mitarbeiter von Young Internet bestellt und jedem am ersten Tag nach meinem Urlaub eines in die Hand gedrückt. Und dann habe ich weitere 20 Exemplare bestellt und schenke sie jetzt guten Freunden und Bekannten – mit persönlicher Widmung natürlich:-) – in der Hoffnung, dass sie das Buch genauso inspirierend, motivierend und beeindruckend finden wie ich.

The Big Five for Life

Und obwohl sich der Ein oder Andere von Euch sicherlich bereits fragt, ob ich an den Erlösen des Buches beteiligt bin (nein) oder eine Affäre mit dem Autor habe (nein), kommt nun auch noch ein Blogpost zum Buch und zwar aus drei Gründen:

  1. Weder auf facebook, noch auf Twitter, sondern nur im persönlichen Gespräch, konnte ich bisher sagen, was mich an dem Buch eigentlich so begeistert hat. Damit das auch all diejenigen hören bzw. nachlesen können, die mich in letzter Zeit nicht persönlich getroffen haben, fasse ich meine highlights hier zusammen.
  2. Ich erwische mich immer noch mehrmals täglich dabei, wie ich die wichtigsten Erkenntnisse des Buches für mich wiederhole, nachlese oder mir vor Augen führe, deshalb hilft es vor allem mir selbst, wenn ich sie jetzt einfach mal aufschreibe und für mich ordne.
  3. Es interessiert mich natürlich brennend, was Eure Meinung zu dem Buch ist, welche Gedanken Ihr beim Lesen hattet und welche Ideen und Konzepte, die in dem Buch vorgestellt werden Ihr großartig und welche unsinnig oder zu idealistisch findet. Daher bietet dieser Blogpost eine Möglichkeit zur Diskussion.

Als ich unseren Mitarbeitern das Buch geschenkt habe, habe ich das mit der Aufforderung verknüpft, mir nach dem Lesen die Ideen oder Konzepte zu nennen, die sie am liebsten bei Young Internet einführen oder leben würden. Die ersten Antworten habe ich bereits bekommen und ganz vorne steht der Wunsch, ab jetzt ein Mal pro Quartal ein Buch geschenkt zu bekommen. Für mich ist dieser Wunsch eine win-win-win-Situation. Die Mitarbeiter gewinnen, denn sie bekommen alle 3 Monate ein spannendes Buch geschenkt. Ich gewinne, denn ich liebe es anderen Menschen Bücher zu empfehlen, die mich selber begeistert haben. Und unser Unternehmen gewinnt, denn die Bücher, die wir verschenken werden natürlich Bücher sein, welche uns fachlich oder menschlich weiterbringen und damit zu besseren und motivierteren Arbeitskräften machen.

Ich werde nicht versuchen, die im Buch hervorragend beschriebenen leadership-Qualitäten, Methoden und Ideen jetzt in komprimierter und schlechter Qualität widerzugeben, sondern lediglich darauf eingehen, was mich besonders beeindruckt, motiviert und inspiriert hat und warum:

1. Big five for life

Zentral ist sicherlich die Idee, dass jeder von uns seine Big Five for life definieren sollte, um für sich herauszufinden, was ihm wirklich wichtig im Leben ist und was er erreichen möchte. Setzt Euch mal hin und überlegt, was die fünf Dinge sind, die dazu führen, dass Ihr am Ende Eures Lebens sagt – das war genau das Leben, was ich führen wollte! Kreist im Kalender alles ein, was zur Erreichung dieser Ziele beiträgt und fragt Euch bei den anderen Einträgen für wen ihr sie macht und warum sie so viel Platz in Eurem Leben einnehmen, wenn sie nicht dazu beitragen, eines Eurer fünf Ziele zu erreichen. Die fünf Ziele, die man für sich definiert, müssen nicht unmittelbar umsetzbar sein, aber man sollte bereits heute damit beginnen die Weichen zu stellen, um sie irgendwann zu erreichen. So ist zum Beispiel eins meiner Big Five for Life die Weltreise, die ich 2013/2014 machen möchte. Es dauert noch bis wir sie antreten, aber sie ist schon heute auf meinem Radar und fester Bestandteil meiner Pläne.

2. Museum Day

Die Idee, dass für jeden von uns am Ende unseres Lebens ein Museum gebaut wird, in dem die durchschnittlich 28.200 Tage unseres Lebens mit Videos, Fotos und Texten dargestellt werden, finde ich sehr cool. Und zwar in erster Linie deshalb, weil es alle Pläne und Ziele auf sehr anschauliche Weise auf den einzelnen Tag herunterbricht. An jedem Morgen an dem man aufsteht beginnt ein neuer Tag, der irgendwann im eigenen Museum ausgestellt wird. Dieser Gedanke motiviert mich sehr, dass an jedem Tag zumindest eine Sache passiert sein sollte, die diesen Tag spannend und lebenswert gemacht hat.

3. „People matter“ ist ein profit-driver

Häufig werden das Schaffen einer Unternehmenskultur, Unternehmenswerte, Visionen, eine Mission und Mitarbeiterentwicklung als soft skills, weiche Faktoren oder nice-to-haves abgetan und belächelt. Mit der Begründung sie seien nicht unmittelbar ergebnisrelevant und damit Luxus und im schlimmsten Fall sogar Zeitverschwendung.

Das Gegenteil ist der Fall.

Den Mitarbeiter (Menschen) in den Mittelpunkt der Überlegungen rund um die Zukunftsfähigkeit und den Erfolg eines Unternehmens zu stellen ist meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg, um den Ertrag zu steigern. Und mit Sicherheit kein soft factor. Wenn Menschen sich ernst genommen fühlen, gefördert und gefordert werden, Teil einer Unternehmenskultur sind, die menschlich ist, dann ist das Ergebnis, dass sie motiviert, produktiv, proaktiv sind und Freude an ihrer Arbeit haben. Das wiederum führt dazu, dass sie konzentrierter arbeiten, 120% geben, ihre Ideen in das Unternehmen einbringen und mehr Output generieren. Und dass sie bleiben wollen. So sinkt die Fluktuation, das Knowhow bleibt im Unternehmen und es entsteht eine Kontinuität, von der Kunden, Kollegen und Kooperationspartner profitieren. Und besonders profitiert das Unternehmen selbst und sein betriebswirtschaftliches Ergebnis. Denn bei konstanten Kosten wird die Produktivität und damit der Umsatz gesteigert. Damit ist für mich die Schaffung einer Unternehmenskultur, welche auf Output und Motivation ausgerichtet ist, ein echter business case und mit Sicherheit kein überflüssiger soft factor.

Und ein zweiter Gedanke des Buches passt zu dieser Erkenntnis: Culture and success roll downhill. Mit anderen Worten: Die Unternehmenskultur und der Erfolg eines Unternehmens hängen vom Management ab und es ist ihre Verantwortung ein Unternehmen so zu formen, dass die Mitarbeiter ihr Bestes geben können und wollen. Wenn ein Unternehmen nicht erfolgreich ist oder Mitarbeiter jenseits ihres Gehalts keine Motivation haben bei einem Unternehmen zu arbeiten, dann liegt das einzig und allein am Management. Nicht an den Mitarbeitern. Es ist Aufgabe des Managements eine Kultur zu schaffen, die motiviert, antreibt und zum Erfolg führt.

4. Director of first impression

Eine Idee, die mich besonders fasziniert hat, ist es einen “Director of first impression” zu haben. Das bedeutet, dass sich eine Person damit beschäftigt, sich in alle stakeholder des Unternehmens hineinzuversetzen und herauszufinden, wie das Unternehmen ihnen gegenüber auftritt bzw. in Zukunft auftreten möchte. Wie wird ein Kunde behandelt, wenn er beim Unternehmen anruft? Wie, wenn er eine Email schreibt? Was ist der erste Eindruck eines Besuchers, der im Büro vor Ort ist? Wie spricht das Unternehmen mit Kooperationspartnern? Wie behandelt es Dienstleister? Wie geht es auf seine Kunden ein? Das sind die Fragen, die sich der “Director of first impression” stellt und das sind die Situationen in die er sich regelmäßig begibt. Um sicherzustellen, dass das Unternehmen sich seines Fremdbildes bewusst ist und sich gegenüber allen Anspruchsgruppen so verhält, dass es zur Unternehmenskultur passt und ein konsistentes und damit glaubwürdiges und vertrauenserweckendes Bild nach außen und innen abgibt.

5. Always write the ending first

“We either write the ending we want, and then create a life that gets us there, or we end up living someone else´s story, and having an ending that pales compared to the one we would have written for ourselves”.

Dieser Gedanke ist cool, denn er zwingt einen, sich seiner Ziele bewusst zu werden und die eigenen Träume zu Ende zu denken. Wie soll etwas sein, wenn es fertig ist? Auf welches Leben möchte man gerne eines Tages zurück blicken? Was macht einen wirklich glücklich? Natürlich bin ich der Meinung, dass man auch Raum für Glück und Zufall in seinem Leben lassen sollte und sich die Flexibilität erhalten sollte, Pläne anzupassen oder zu verändern. Denn das wird sich sowieso nicht vermeiden lassen. Aber das Ende zuerst zu schreiben ist eigentlich nichts anderes als sich heute schon das Museum vorzustellen, welches am Ende unseres Lebens für uns gebaut wird und sich seiner Big Five bewusst zu werden, um herauszufinden, was uns wirklich glücklich macht. Und vor allem was nicht.

An dieser Stelle zwinge ich mich aufzuhören.

Ich denke es ist offensichtlich, dass dieses Buch zum Nachdenken anregt. Egal, ob man das Buch überzogen, inspirierend, weltfremd, motivierend, idealistisch, beeindruckend oder abgehoben findet, es ist auf keinen Fall Zeitverschwendung, es zu lesen.

Happy reading!

Leadership qualities – my personal guidelines for being a good leader

Freitag, 12. August 2011

Everyday I meet people. Great people, people I admire, people I can learn from, people that do things in innovative and unexpected ways, people that do things differently than I do, people that impress me. People that are successful, people that have character, people that don´t give up, people that inspire others, people that motivate me.

And I am interested in – or even fascinated by – the dynamics of people in business life. How people interact in companies. How they communicate with each other. Whom they follow and who disappoints them. What great leaders do differently to weak CEOs. How people make companies successful or how mis-management lets companies fail.

Over the years I have had the chance to watch CEOs, entrepreneurs and employees in very small to very large companies. And with every experience I made, every corporate culture I met or every interaction I had it became clear to me how I would lead a business and especially people, if I had the chance. And what I would try to avoid.

Since September 2010 I have the chance. And after one year at Young Internet I would like to share with you my personal guidelines for being a good leader. Not because I think you don´t have guidelines of your own. Not because I think I would be the person you have been waiting for to tell you. And definitely not because I think that this is the only possible way to do it.

It simply is my way of doing it. And for me it works.

What makes me very confident about these guidelines is that I didn´t come up with them theoretically and then tried them out in real life. It was the other way around. I intuitively tried them out and they worked. That´s why I have now written them down to inspire others and share my experiences.

So here we go:

1. Care about people

  • Show real interest in your employees
  • Have regular feedback talks with everybody
  • Treat others like you want to be treated yourself

2. Be transparent

  • Communicate openly and mean what you say
  • Be yourself in social networks and not somebody you would like to be
  • Show weaknesses – that´s human
  • Admit mistakes – nobody is perfect
  • Don´t try to play a role – be yourself (people will find out anyway)

3. Focus

  • Define a clear strategy, goals and milestones
  • Have a stop-doing list
  • Have real company USPs – don´t be average

4. Take decisions – and execute

  • Take risks
  • Be reliable – and stick to your decisions
  • Fight for your beliefs
  • Analytics + gut feeling = best of both worlds

5. Hire people that are better than you - self-explanatory

6. Avoid attitude – don´t think you´re special

  • Treat people with respect – no matter who they are
  • Be modest and humble
  • Do the “stupid” things
  • Be polite – to everybody

7. “Walk around the pond” – at least once a week

  • Have the big picture – at all times
  • Have a vision
  • Have a mission
  • Define corporate values – and stick to them
  • Work strategically – don´t get stuck in micromanagement
  • Trust your people

Do I live up to these guidelines all the time? I seriously try to. And if I don´t, I am the first to notice.

Why didn´t I put things like “motivate”, “inspire” and “create team spirit” which are extremely important leadership qualities? Because I think that they are the result of everything I listed. I truly believe that following these guidelines leads to being motivating and inspiring. And to creating a great team spirit.

This should be the ultimate goal for every good leader.

Open communication rocks

Montag, 20. Juni 2011

Es war schon immer mein Ziel – wenn nicht sogar Traum – ein Unternehmen so zu führen, dass man gegenüber Mitarbeitern, dem Managementteam und den Gesellschaftern offen, ehrlich und transparent kommuniziert. Die Dinge beim Namen nennt. Einfach sagt wie es ist. Nicht um den heißen Brei herumredet.
Das klingt zunächst mal ziemlich cool, modern und idealistisch.

Ist es auch.

Wenn man es konsequent macht, dann gewinnt man mit open communication Vertrauen und Respekt. Ist glaubwürdig, greifbar, ehrlich und menschlich.

Das ist aber weder einfach noch bequem.

Wie oft habe ich mich dabei erwischt, Dinge, die mich oder das Unternehmen in einem guten Licht erscheinen lassen, gerne offen kommunizieren zu wollen und die schwierigen Themen unter den Tisch fallen zu lassen.
Doch so funktioniert das leider nicht. Besonders Mitarbeiter merken, ob sie immer nur die halbe Geschichte bekommen. Und sie merken erst an unangenehmen, persönlichen oder kritischen Themen, dass man offene Kommunikation wirklich ernst nimmt.

Das Resultat offener Kommunikation ist nicht nur Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Respekt. Es gibt auch viele Nebeneffekte.
Positiver und negativer Art.
Positive Effekte sind, dass die Gerüchteküche kleiner, der „Flurfunk“ deutlich unspannender und damit weniger ausgeprägt ist und die Unsicherheit sicherer wird. Es wird weniger gemutmaßt und mehr über Fakten gesprochen. Man beschäftigt sich mehr mit der Gegenwart und Zukunft als mit der Vergangenheit. Und Menschen fühlen sich ernst genommen und geben den Vertrauensvorschuss, den offene Kommunikation mit sich bringt, dem Unternehmen im Idealfall in Form von Loyalität und Motivation zurück.
Negative Auswirkungen sind, dass manchmal gerade erst offene Kommunikation zu Unsicherheit führt, weil man unangenehme Wahrheiten hört, über die man sich sonst gar keine Gedanken gemacht hätte. Außerdem wäre es leichter, wenn es verschiedene Abstufungen von offener Kommunikation geben dürfte, um jedem die verdauliche Menge an Offenheit zu geben, die er am besten verträgt. Das wäre aber nicht offen, sondern eingeschränkt oder abgestuft offen.

Natürlich ist offene Kommunikation nicht wahllos auf jedes Unternehmen gleichermaßen anwendbar. Natürlich müssen börsennotierte Unternehmen mit offener Kommunikation anders umgehen als kleine Startups. Aber die Grundidee, die hinter offener Kommunikation steht, nämlich sich zu trauen die Wahrheit zu sagen, sollte für jeden guten Unternehmer die Basis seines Handelns sein.

Um offen kommunizieren zu können und als Mitarbeiter mit offener Kommunikation umgehen zu können braucht es ein gesundes Maß an Kritikfähigkeit, Selbstreflexion und Selbstbewusstsein. Und man muss bereit sein, Verantwortung zu tragen. Für das was man sagt und für das, was es in Menschen auslöst. Die Wahrheit ist häufig schonungsloser und schmerzhafter als eine Variante, Veränderung oder Abschwächung der Wahrheit. Die Abschwächung ist kurzfristig für Alle angenehmer. Aber sie holt einen ein. Und tut dann mehr weh und wirkt wesentlich länger nach.

Offene Kommunikation ist übrigens keine Bringschuld des Managements gegenüber den Mitarbeitern, sondern eine gegenseitige Pflicht. Die Mitarbeiter sind gleichermaßen aufgefordert, offen ihre Probleme, Wünsche, Kritik, Zweifel und Verbesserungsvorschläge zu kommunizieren. Und werden dafür gelobt und nicht bestraft. Offene Kommunikation darf aber nicht als Automatismus falsch verstanden werden, dass sich alles, was man an- oder ausspricht auch ändert oder berücksichtigt wird. Es wird diskutiert, evaluiert und abgewogen. Und danach wird entschieden. Wie bei jedem anderen Thema auch.

Bei Young Internet haben wir „open communication rocks“ zu einem unserer vier zentralen Unternehmenswerte gemacht, um die Wichtigkeit dieses Grundsatzes für das Unternehmen zu unterstreichen.

Es gab bereits viele Momente, in denen open communication zu großem Zusammenhalt im Team geführt hat, aber auch Tage an denen offene Kommunikation Unverständnis, Unsicherheit und Verärgerung ausgelöst hat. Diese Tage sind wichtig, denn sie machen einem immer wieder bewusst, dass offene Kommunikation kein Selbstläufer ist.

Denn wenn es einfach wäre, würde es ja jeder machen.

Was Werte wert sind

Freitag, 11. März 2011

Ich habe in den letzten Wochen viel über Werte nachgedacht. Über die immateriellen. Und darüber, welche Werte es eigentlich gibt und welchen Wert ich als besonders wertvoll empfinde.

Anders als bei den 10 Geboten sind Werte weder vorgegeben noch gibt es eine Liste, in der man alle Werte nachlesen kann. Sie werden nicht wie der Duden jedes Jahr überarbeitet und es gibt auch keine Gesellschaft, die prüft, ob ein neuer Wert aufgenommen wird. Geschweige denn ein Amt, bei dem man neue Werte einreichen oder ihre Definition festlegen oder nachfragen kann. Wir sprechen zwar von Wertekanon oder Wertesystem, wissen aber eigentlich nicht, welche Werte in diesem System alle enthalten sind oder sein müssen. Und haben die Freiheit unser eigenes Wertesystem so zusammenzusetzen wie wir es für richtig halten. Werte sind intrinsisch, häufig subjektiv (zumindest die immateriellen Werte) und machen uns zu dem was wir sind.

Werte, die mir spontan einfallen (wahrscheinlich weil sie mir wichtig sind) sind Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit, Familie, Freundschaft, Integrität, Authentizität, Loyalität, Vertrauenswürdigkeit, Gradlinigkeit, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Harmonie, Tapferkeit, Disziplin, Selbstreflexion und Selbstkritik. Wobei ich noch nicht mal weiß, ob das wirklich alles Werte sind bzw. was einen Wert zum Wert macht. Aber egal, für mich sind das Werte. Und das ist wahrscheinlich entscheidend.

Der stärkste Wert ist für mich, sich selbst treu zu bleiben. Selbsttreue also, wenn man es in einem Wort oder Wert ausdrücken möchte.

Erstens weil Selbsttreue viele andere Werte beinhaltet wie z.B. Authentizität, Gradlinigkeit, Aufrichtigkeit, Selbstreflexion und Selbstkritik. Also eigentlich ein Meta-Wert ist. Und zweitens, weil die Definition dieses Wertes für jeden Menschen anders ist. Denn jeder Mensch ist anders und damit ist auch jeder Mensch etwas anderem treu. Nämlich im Idealfall sich selbst. Das macht diesen Wert sehr einzigartig und besonders.

Während Werte wie Verbindlichkeit, Loyalität, Harmonie und Disziplin sehr klare Definitionen haben und von vielen Menschen gleichermaßen verstanden und auch gelebt werden, ist es bei „sich treu bleiben“ ganz anders. Das definiert jeder für sich selbst. Und lebt diesen Wert entsprechend auch anders.

Außerdem ist dieser Wert sehr gegensätzlich. Einerseits ist Selbsttreue für einen selbst und Andere viel weniger greifbar als die übrigen Werte. Denn Selbsttreue beinhaltet nicht nur, dass man sich selber sehr genau kennen und sehr genau über seine Werte und Wünsche nachgedacht haben muss. Selbsttreue beinhaltet vor allem auch, dass andere Menschen erst lernen und verstehen müssen, wer man eigentlich ist und welches Wertesystem man für sich definiert hat, bevor sie erkennen können, ob die Person sich treu ist oder nicht. Ist dieser interne und externe Prozess aber vollzogen, wird ein Mensch so transparent und nachvollziehbar wie bei keinem anderen Wert.

Desweiteren ist es bei Selbsttreue völlig unerheblich ob man extro- oder introvertiert, Familienmensch oder Einzelgänger, optimistisch oder pessimistisch, loyal oder illoyal, harmonie- oder streitsüchtig ist. Das ist alles nicht wichtig. Wichtig ist, dass man selber weiß, wer man ist, wo man steht, wie man auf andere wirkt und was man erreichen möchte. Und sich dabei treu bleibt. Denn dann wächst dieser Wert über sich hinaus. Dann verkörpert man das, was man nach innen ist auch nach außen. Und bringt damit Selbst- und Fremdbild in Einklang. Wird verlässlich und authentisch.

Nun mag jemand sagen, dass man auch gar keine Werte haben und sich trotzdem treu sein kann.  Das stimmt, ist aus meiner Sicht aber kein Problem. Denn wenn jemand ausstrahlt oder vermittelt, dass er keine Werte hat und sich selbst dabei treu bleibt, dass er keine Werte hat, dann weiß das jeder und kann sich darauf einstellen.

Und nur darum geht es bei den anderen – einfacher zu greifenden – Werten ja auch. Dass man sich auf sein Gegenüber einstellen kann. Dass man versteht, was einen anderen Menschen antreibt, bewegt und motiviert, was ihm wichtig ist und was nicht.

Was ihn „Wert“-voll macht. Und was eben nicht.

Kinderleicht

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Wie oft denke ich: wie unbeschwert unsere Kindheit war! Wir hatten wenig Pflichten und viele Freiheiten. Wenig Zwänge und viel Platz für Kreativität und Phantasie. Wir waren kleiner und die Probleme auch. Das Leben war einfach kinderleicht.

Noch öfter denke ich allerdings wie unnötig schwer wir Erwachsenen uns das Leben machen. Als Kind waren wir einfach wir selbst – ohne Agenda.

Wir waren ehrlich. Hauptsächlich weil wir gar nicht wussten wie unehrlich geht. Das war zwar häufig schonungslos, eventuell auch beleidigend und manchmal peinlich. Aber es war ehrlich. Und damit wusste jeder wo er stand.

Wir waren naiv. Einen Luxus, den wir uns als Erwachsene gar nicht mehr leisten können ohne gleich als dumm deklassiert zu werden. Naivität beinhaltet eine unendliche Freiheit und Unschuld. Man denkt nicht jedes Szenario zu Ende, man wägt nicht jede Handlung genau ab, man denkt nicht in Konsequenzen, sondern in Chancen. Und Möglichkeiten. Das ist sicherlich naiv, aber auch sehr erfrischend.

Wir haben uns getraut zu fragen. Und zwar alles. Lange “Warum”-Frageketten, die unsere Eltern bestimmt genervt, aber dazu geführt haben, dass wir zum Kern des Themas vorgedrungen sind. Und uns sicher waren, dass wir es verstanden hatten. Und uns nicht zu schade waren, noch zwei Mal (oder mehr) nachzufragen, wenn wir es noch nicht verstanden hatten. Wie oft erleben wir es heute als Erwachsene, dass wir es verlernt haben die richtigen Fragen zu stellen. Oder überhaupt welche.

Nach Podiumsdiskussionen und Vorträgen herrscht immer ein verschämtes Schweigen, weil jeder Angst hat sich mit seiner Frage zu blamieren und nicht eloquent und intelligent genug zu wirken. Außerdem ist es eigentlich schon peinlich genug zugeben zu müssen, dass man überhaupt eine Frage hat. Wenn man dann doch eine stellt ist es eher ein Statement oder eine Ergänzung zum Vortrag als eine wirkliche Frage. Denn die Blöße geben wir uns nicht.

Dabei gibt es eigentlich nichts Bewundernswerteres und Tiefgründigeres als Menschen, die die richtigen Fragen stellen. Und sich nicht zu schade sind, einfache Fragen zu stellen. Denn es sind die einfachen Fragen, an denen wir selber merken, ob wir ein Thema überhaupt verstanden haben. Denn einfache Fragen erlauben einfache Antworten. Und damit wird uns die Chance genommen uns hinter komplexen, verwirrenden und komplizierten Antworten zu verschanzen, weil wir tief im Inneren wissen, dass wir das Thema eigentlich selber noch nicht richtig durchdrungen haben. Wie oft möchte man seinem Gesprächspartner sagen “Erklär es doch bitte mal so, wie Du es einem 8-jährigen Kind erklären würdest”. Und wie oft trauen wir uns das nicht. Weil wir denken, dass es ein schlechtes Bild auf uns wirft.
Ich glaube ganz ehrlich, dass wir viel weniger Probleme im Privat- und Berufsleben hätten, wenn wir wieder mehr fragen würden. Und den Anspruch hätten, die Antworten auch zu verstehen. Und nicht schon mit dem Nicken beginnen würden, bevor die Antwort überhaupt angefangen hat. Doch dafür haben wir einfach unsere kindliche Unschuld verloren.

Wir waren intuitiv. Wir haben keinen Plan oder eine roadmap gemacht, um Themen, Probleme oder Aufgaben anzugehen. Sondern wir haben intuitiv gehandelt. Learning by doing. Nicht learning und dann doing. Wir waren unverkrampft und unverkopft. Und wir haben Einfachheit geliebt und Komplexität gemieden.

Es ist für uns als Erwachsene heute der größte Lerneffekt, wenn wir Kindern etwas in die Hand geben, um zu sehen, wie sie es bedienen und ob sie es bedienen können. Das fängt bei realen Produkten an und hört bei Webseiten auf. Steve Jobs’ neue Devise “mobile first” ist eigentlich nichts anderes als ein Aufruf zu mehr Einfachheit, intuitiver und übersichtlicher Bedienbarkeit. Etwas einfach darzustellen und intuitiv benutzbar zu machen ist viel schwerer als sich hinter künstlicher Komplexität zu verstecken. Es zu schaffen eine komplexe Anwendung auf einem kleinen Iphone-Bildschirm darzustellen und erlebbar zu machen ist eine große Leistung. Den Mut zu haben diese Einfachheit und Klarheit auf eine große Website zu übertragen ist dagegen echte Kunst. Die noch von viel zu wenigen praktiziert wird.

Wie sehr wünsche ich mir manchmal, dass kindliche Denke bei Erwachsenen mehr als Stärke denn als Schwäche gesehen wird. Warum legen wir in Bewerbungsgesprächen nicht mehr Wert auf diese Eigenschaften? Warum zwingen wir uns bei Antworten nicht darauf kindlich einfach, klar und geradlinig zu antworten?

Die Welt am Sonntag hat eine Beilage, die sich “kinderleicht” nennt. Dort ist die Welt der Erwachsenen für Kinder dargestellt.

Vereinfacht.
Auf den Punkt gebracht.
So dass Kinder sie verstehen.

Ich habe ein Interview für diese Beilage gegeben, welches am Sonntag erscheint und gemerkt, wie ehrlich, selbstkritisch und transparent man wird, wenn man weiß, dass Kinder einen verstehen müssen. Wie schwer es ist sich nicht hinter aussagelosen Fachbegriffen zu verschanzen, sondern die Dinge beim Namen zu nennen. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis am Sonntag.
Und ich nehme dieses Interview zum Anlass meinen Vorsatz für 2011 zu formulieren:

Ich möchte mich wieder mehr wie ein Kind benehmen und mehr in die kindliche Denke hineinversetzen.

Sollte eigentlich zu schaffen sein. Sollte eigentlich kinderleicht sein. Sollte man meinen.

Nachtrag: Hier der Artikel in der Welt am Sonntag.