Archiv für die Kategorie „working mum“

Mehr Geld und Anerkennung für ErzieherInnen!

Sonntag, 10. Mai 2015

Heute ist Muttertag! Und von allen Seiten bekommt man als Mutter Wertschätzung, Aufmerksamkeit, Geschenke und Liebe.

Ich bekam von vielen verschiedenen Freundinnen heute Morgen folgende Whatsapp-Nachricht geschickt:

Lebenslauf einer Mutter

Job-Erfahrungen

Taxi
Psychologin
Lehrerin
Krankenschwester
Babysitter
Eventmanagerin
Waschfrau
Putzfrau
Kinderärztin
Köchin
Bäckerin
Polizistin
Richterin
Dekorateurin
Lebensberaterin
Komikerin

Arbeitszeit;
24 uhr bis 24 uhr
Gehalt:
Das Lächeln der eigenen Kinder

Ich wollte mir gerade schon innerlich auf die Schulter klopfen, was ich alles meistere, als ich einen zweiten Blick auf die Liste warf und überlegt habe, welche dieser “Jobs” ich mir eigentlich mit den ErzieherInnen meiner Söhne teile. Dabei kam folgende Jobbeschreibung heraus:

Lebenslauf einer Erzieherin/eines Erziehers

Job-Erfahrungen

Psychologin
Lehrerin
Krankenschwester
Eventmanagerin
Putzfrau
Polizistin
Richterin
Dekorateurin
Lebensberaterin
Komikerin

Gehalt:
Das Lächeln meiner Kinder + 1800 Euro Bruttogehalt (wenn es sehr gut läuft)

Wie viele Erzieherinnen haben heute wohl eine wertschätzende Whatsapp-Nachricht bekommen? Mein Tipp: keine! (außer sie sind selber Mutter)

Wie kann es sein, dass in unserem Land, welches wenig Bodenschätze, Fachkräfte und Kinder hat und in dem Bildung ein Kern-Erfolgsfaktor für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft ist, Menschen, die unsere Kinder betreuen, so wenig Geld und Anerkennung dafür erhalten.

Hochschulprofessoren und Lehrer verdienen ein Vielfaches dessen, was ein Erzieher auf dem Lohnauszug hat. Warum eigentlich? Wissen wir nicht längst alle, dass die jungen Jahre eines Menschen die wertvollste und beste Zeit sind, um ihn in sozialer und geistiger Hinsicht auf das Leben vorzubereiten? Aber wie wollen wir mehr Menschen dazu bringen, Erzieher zu werden, wenn wir sie schlecht bezahlen und dem Berufsbild so wenig Wertschätzung entgegenbringen?

Es ist höchste Zeit für eine echte Lobby für Bildungs- und Erziehungsberufe in Deutschland. In Kanada sind Erzieher und Lehrer so gut angesehen wie Ärzte. Singapur hat das Bildungssystem revolutioniert, in dem es ein High-Potential-Programm in den Lehrer- und Erzieher- Studiengängen eingeführt hat.

Wir haben das irgendwie noch nicht so richtig verstanden.

Wir bauen brav eine Kita nach der anderen und denken, damit sei unsere Mission erfüllt. Das Problem ist, dass wir die Menschen vergessen haben, die in diesen Einrichtungen arbeiten. 

Daher appelliere ich heute an all uns Eltern, die sich in einem “wichtigen” Beruf fühlen: Wann haben wir zum letzten Mal die ErzieherInnen unseres Kindes als echten Profi auf ihrem Gebiet wahrgenommen und sie um Rat gefragt? Wann haben wir uns das letzte Mal für ihre Unterstützung, Arbeit und Fürsorge bedankt?

Heute ist doch ein guter Tag dafür!

Daher würde ich den heutigen Muttertag gerne all unseren ErzieherInnen widmen, die sich tagtäglich mit so viel Liebe und Umsicht um unsere Kinder kümmern, sie auf das Leben vorbereiten und sich so viele Gedanken um sie machen als wären es ihre eigenen.

Jede Mutter am Muttertag heute und jeder Vater am Vatertag am kommenden Donnerstag weiß, dass wir ohne unsere ErzieherInnen niemals einen so guten Job in der Erziehung unserer Kinder machen würden! Also nutzen wir diesen Tag doch einfach, um es ihnen zu sagen.

Per WhatsApp, Email oder SMS.

Jetzt gleich.

Bitte!

 

 

 

Social Freezing – der Anfang vom Ende oder die Antwort auf alles?

Mittwoch, 29. Oktober 2014

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Kein anderes Thema war in den letzten 2 Wochen so präsent wie das Thema “Social Freezing“. Ob Facebook und Apple das Thema per Pressemitteilung selber lanciert haben oder warum es plötzlich so groß geworden ist weiß ich nicht. Fakt ist, dass sich jedes kleine oder große Medium in Deutschland mit dem Thema befasst hat. Und es fast überall Gesprächsthema ist.

Als 35jährige Frau geht das Thema und die einhergehende Diskussion nicht spurlos an einem vorüber. Und ich habe mehr und mehr das Bedürfnis verspürt, eine klare Meinung zu dem Thema zu haben.

Aber bevor ich anfange, eine Sache vorweg: Warum eigentlich Social Freezing?
Was ist denn daran “social”, wenn ich mich als Frau entscheide, meine Eizellen einfrieren zu lassen? Weder wird ein Google hang-out veranstaltet, um zuzuschauen, noch poste ich das auf Facebook oder Twitter, noch können meine Eizellen twittern, noch möchte ich das Thema in irgendeiner Form an die große Glock hängen.

Warum also nicht “Voluntary Freezing”? Das trifft es doch eigentlich viel besser. Eizellen einfrieren  - ohne medizinischen Grund.

Voluntary.

Freiwillig.

Und genau um dieses “freiwillig” geht es im Kern für mich.
Wenn eine Frau – egal welchen Alters – sich entscheidet, ihre Eizellen einfrieren zu lassen, dann sollte das eine persönliche und freiwillige Entscheidung sein. Eine Entscheidung, die nur sie allein (oder mit ihrem Partner, wenn sie einen hat) fällt.

Keine Entscheidung zu der die Gesellschaft sie zwingen sollte.

Keine Entscheidung zu der sie sich aus Karriere-technischen Gründen gezwungen fühlen sollte.

Und erst Recht keine Entscheidung, die sie mit ihrem Arbeitgeber diskutieren sollte oder müsste.

So sehr “work” und “life” durch die digitalen Medien und das damit verbundene “always on” heutzutage verschwimmen, die Familienplanung sollte ganz klar Privatsache bleiben. Die Entscheidung für ein Kind ist für eine Frau, ein Paar oder eine Familie so intim, so privat und so großartig, dass sie nicht in einem Vertrag geregelt werden sollte. Jeder Frau sollte absolut freigestellt sein was sie mit ihren Eizellen macht. Arbeitgeber sollten sich aus meiner Sicht darauf konzentrieren die Rahmenbedingungen zu verbessern innerhalb derer Karriere und Kinder sich besser vereinbaren lassen als in diesen intimsten Bereich der Frau und Familie vorzudringen.

Außerdem gibt es so viele offene Fragen, deren Antworten noch absolut nicht greifbar sind:

Was passiert mit den Eizellen, wenn ich gekündigt werde und die Kosten der Einlagerung nicht mehr bezahlen kann?

Was passiert mit den Eizellen, wenn ich ein bestimmtes Alter überschreite? Legt der Arbeitgeber mir dann nahe sie vernichten zu lassen, damit er nicht mehr zahlen muss?

Was passiert mit den Eizellen, wenn ich sie bis zur Rente aufbewahre und dann in Ruhestand gehe?

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Was passiert, wenn in ein paar Jahren Eizellen-Verkauf erlaubt ist (kann ja auch nur noch eine Frage der Zeit sein) und ich die Eizellen verkaufen möchte? Gehören Sie dann mir oder meinem Arbeitgeber? Oder muss ich sie ihm abkaufen? Oder ihm die Kosten der Einfrierung nachträglich erstatten?

Und wie lange muss ich dem Arbeitgeber versprechen nicht schwanger zu werden, damit er die Kosten des Einfrierens überhaupt übernimmt? Was passiert, wenn ich trotzdem vorher schwanger werde?

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Fragen über Fragen, die so persönlich sind, dass es für mich unvorstellbar ist, diese mit meinem Arbeitgeber zu diskutieren.

Ich denke, dass der Druck, den sich Frauen rund um das Thema Schwangerschaft machen, eh schon groß genug ist. Das Thema verliert an Leichtigkeit mit jedem Jahr, das man älter wird, jedem Gespräch welches man über das Thema führt und jeder Person, die man in diese private Entscheidung einweiht. Und es verliert endgültig an Leichtigkeit, wenn es Teil des Arbeitsvertrages oder des Personalentwicklungs-Gesprächs wird.

Wenn Arbeitgeber in Deutschland also aufgrund der aktuellen Social Freezing Diskussion wirklich darüber nachdenken sollten, ob sie Frauen auf diese Weise unterstützen wollen, ihren Kinderwunsch zu verwirklichen, dann hätte ich folgenden – wenig überraschenden – Gegenvorschlag:

Wenn sie denselben Betrag nähmen und in den Bau einer Betriebskita stecken würden und jeder Frau einen Gutschein für einen Kitaplatz ab eines Kindesalters ihrer Wahl in die Hand drücken würden, dann würde das dazu führen, dass Frauen früher Kinder bekämen, schneller in den Beruf zurückkehren würden und der Zeugungsprozess des Kindes das bliebe, was er sein sollte:

Privatsache.

Frauenquote? Really?

Dienstag, 10. Dezember 2013

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Das Thema Frauenquote ist (mal wieder) omnipräsent. Eigentlich war es nie weg,  aber jetzt ist es amtlich: Ab 2016 sollen 30% der neu zu besetzenden Aufsichtsratspositionen durch Frauen besetzt werden.

Bisher habe ich mich immer erfolgreich um eine abschließende Meinung zum Thema „Frauenquote“ gedrückt, aber jetzt habe ich plötzlich das Bedürfnis nach einer klaren Position. Gar nicht so einfach.

Ein Selbstversuch.

Die Frauen meiner Generation wollen viel vom Leben und es wird viel von ihnen erwartet. Wir wollen (mal mehr, mal weniger) und sollen Kinder bekommen, gerne mehr als 1,3 und gleichzeitig Karriere machen und die Führungsetagen erobern.

Best of all worlds ist das Ziel.

Überforderung und Selbstzweifel häufig die Realität.

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Aus meiner Sicht werden wir ein modernes Frauenbild in Deutschland prägen und junge Frauen für ihren Weg bewundern und respektieren, wenn wir sie selber entscheiden lassen, welchen Weg sie gehen wollen. Eine kinderlose Top-Managerin kann genau so glücklich werden wie eine Vollzeitmutter, die keinen Beruf ausübt. Eine Mutter, die Teilzeit arbeitet kann genauso erfüllt sein (von Job und Kindern) wie eine Vollzeit-arbeitende Mutter. Entscheidend für das Glück jeder Einzelnen (und damit der Gesellschaft) ist – wie ich bereits schon mal in diesem Blogpost geschrieben habe – , dass wir aufhören Frauen durch Frauenquote und Betreuungsgeld zu bevormunden und ihnen anfangen zuzutrauen, dass sie in der Lage sind ihren Weg selber zu gehen.

Im Gegenzug dürfen wir jungen Frauen uns nicht über mangelnde Chancen beschweren – denn sie sind größer und vielfältiger denn je – sondern unser Leben selbst in die Hand nehmen. Es ist neu, dass wir die Wahl haben. Jetzt müssen wir den Mut haben, die Chancen, die sich bieten, selbstbestimmt zu ergreifen.

Folglich bin ich gegen die Quote.

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Mann 2.0 – Wonderwoman ist nichts dagegen!

Mittwoch, 9. Mai 2012

Männer dürfen das letzte Wort haben

Alles begann damit, dass ich vor ein paar Monaten die Erstausgabe der deutschen Wired in meinen Händen halten wollte und das nur über den Umweg „GQ-kaufen“ ging. Der Aufmacher mit Justin Timberlake „Deutsche Männer mögen kein Machogehabe“ war mein erster Berührungspunkt mit dem Thema „Wie ist Man(n) heutzutage“.
Dann bin ich in der „Welt“ auf einen Artikel auf der ersten Innenseite aufmerksam geworden: „Was wären wir ohne Machos“.
Dann noch ein langer (Rotwein)-Abend mit Freunden (Männern wie Frauen), an dem wir diskutiert haben, wie Mann heutzutage sein muss, um Frau zu beeindrucken.

All diese Impulse haben also dazu geführt, dass ich mich jetzt ernsthaft an das Thema „Männer“ wage. Damit kann man sich ungefähr so gut in die Nesseln setzen wie mit Themen wie „Kind und Karriere“, „Frauenquote“ oder „Euro-Rettung“. Denn die Meinungen gehen weit auseinander, sind stark subjektiv, emotional geprägt und es ist eigentlich von vornherein klar, dass einem tendenziell mehr Menschen widersprechen als einem zustimmen werden.

Und es so gut wie nichts zu gewinnen gibt.

Eigentlich gar nichts.

Aber wie Ihr Euch vorstellen könnt, stellt die Aussicht auf Gegenwind eher einen Anreiz als eine Hemmschwelle dar und deshalb tue ich es.

Ich schreibe heute über Männer.

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Warum ich für Alice Schwarzer schwarz sehe

Donnerstag, 11. November 2010

Die Feminismus-Debatte zwischen Alice Schwarzer und Kristina Schröder diese Woche hat sicherlich so manchen verwundert oder nachdenklich gemacht. Und Viele haben sich bestimmt auch gefragt, worum es hier eigentlich geht? Da streitet sich die wohl prominenteste Feministin Deutschlands mit einer sehr bekannten Frau in der Politik unseres Landes um die Rolle der Frau.

Ich nehme das mal zum Anlass, um klar Stellung zu beziehen. Das ist gefährlich, mag einseitig, überspitzt oder verallgemeinernd wirken. Ich mache es aber trotzdem. Weil ich es darf und Frau Schröder offensichtlich nicht. Und weil es mir die Chance gibt, diese Thematik hoffentlich sachlich und unideologisch mit Euch zu diskutieren ohne die Polemik politischer Coleur oder die Sensationslust der Medien.

Meine Meinung ist klar: Alice Schwarzer hat ein harmloses, vernünftiges und keinesfalls polarisierendes Interview von Kristina Schröder dafür missbraucht PR in eigener Sache zu machen. Ein „offener Brief“ an die Familienministerin! Und warum? Weil Frau Schröder gesagt hat, dass sie feministische Thesen über die sexuelle Unterwerfung der Frau nicht nachvollziehen kann? Und weil sie gesagt hat, dass wir Frauen an der Lohnungerechtigkeit ein Stück weit selbst Schuld sind? Und weil sie die Frauenquote ablehnt?

Wohl kaum.

Der wahre Grund hinter dieser Debatte ist viel mehr das Hauptproblem von Frauen untereinander: Dass sie einander beneiden und sich so wahnsinnig schwer tun, die Leistung anderer Frauen anzuerkennen und ihnen den Erfolg oder Ruhm zu gönnen. Sie gehen mit anderen Frauen viel härter ins Gericht als mit Männern.

Und warum?

Weil Alice Schwarzer & Co. sich nicht eingestehen wollen, dass die jungen und modernen Frauen kein feministisches Manifest mehr benötigen, um im Leben zu bestehen, sondern ihren Weg selbstbewusst, unideologisch und unverkrampft gehen wollen. Weil sie nicht wahrhaben können, dass heutzutage hinter starken und erfolgreichen Frauen in der Regel eher mutige, partnerschaftliche und starke Männer als Feministinnen stehen.  Jahrzehntelang hatten sie etwas für das (bzw. wogegen) sie kämpfen konnten. Das Patriarchat, Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Unterdrückung. Und plötzlich müssen sie feststellen, dass die jungen Frauen nicht mehr mitkämpfen wollen. Natürlich liegt der Vorwurf der „Undankbarkeit“ dann nahe. Der häufigste Vorwurf lautet daher, dass wir jungen und unabhängigen Frauen uns auf den Errungenschaften des Feminismus ausruhen, diese für selbstverständlich nehmen und vergessen wem wir diese zu verdanken haben.

Ok, kann ich nachvollziehen. Ihr habt toll gekämpft, danke.

Aber der Feminismus (wenn man ihn überhaupt so nennen möchte) hat sich verändert. Es geht heute viel mehr um den Anspruch, dass Mann und Frau die Chance haben, denselben Lebensweg zu gehen. Und nicht mehr um den Kampf gegen das Patriarchat. Die alten Thesen passen nicht mehr zu unserem heutigen Weltbild und wir können und wollen uns damit auch gar nicht mehr identifizieren. Wir sind stolze und selbstbewusste Frauen, nicht stolze und selbstbewusste Feministinnen.

Unser Geschlecht ist uns nicht mehr so wichtig, wir definieren uns über andere Dinge.

Natürlich gibt es diverse Voraussetzungen, die wir gerade in Deutschland noch verbessern müssen, um die Chancen für denselben Lebensweg von Männern und Frauen zu schaffen und das Potential von Frauen für unsere Gesellschaft und unser Wirtschaftsleben noch viel besser zu nutzen:

Mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten, mehr Akzeptanz für berufstätige Mütter, mehr Respekt unter Frauen unabhängig vom Lebensmodell, mehr Vertrauen in die Stärken und Kompetenzen von Frauen. Aber die lösen wir nicht mit politischen Richtlinien und Gesetzen für Lohngleichheit, Frauenquote und einer Verlängerung des Mutterschutzes.

Denn ich stimme Kristina Schröder absolut zu, wenn Sie sagt, dass Frauen eine Mitschuld daran tragen, dass sie weniger verdienen. „Viele Frauen studieren gerne Germanistik und Geisteswissenschaften, Männer dagegen Elektrotechnik – und das hat eben auch Konsequenzen beim Gehalt“. Doch die Wahl des Studiengangs ist nur ein Teil des Grundes für Lohnungleichgewicht. Ein viel gewichtigerer Grund ist, dass die meisten Frauen sich einfach unter Wert verkaufen. Ich verallgemeinere und überspitze jetzt mal ganz bewusst, um diesen Punkt ganz deutlich zu machen:

Eine Frau stellt ihr Licht gerade in Bewerbungs- , Beförderungs- und Gehaltsgesprächen permanent unter den Scheffel. Auf die Frage „Haben Sie einen solchen Job schon mal gemacht?“ antwortet sie viel zu ehrlich: „Nein, habe ich noch nicht, aber ich bin mir sicher, dass ich das nach einer intensiven Einarbeitungsphase mit parallelem Selbststudium evtl. hoffentlich vielleicht schaffen könnte“.

Ein Mann antwortet: „Ja“.

Nächstes Beispiel. Ein Mann und eine Frau haben bisher beide 48.000 Euro Bruttogehalt verdient und bewerben sich auf dieselbe Stelle. Im Gespräch wird die Frau gefragt: „Was möchten Sie verdienen?“ Ihre Antwort: „ Zur Zeit verdiene ich 48.000 Euro würde mich aber gerne ein bisschen steigern, wenn das ginge. Antwort: „Das geht leider nicht“. Darauf die Frau: „Kein Problem, Gehalt ist für mich auch nicht so wichtig, ich würde den Job dennoch gerne machen.“

Die Antwort des Mannes auf dieselbe Frage: 60.000 Euro.

Und schon verdient er 25% mehr als die Frau.

Sehr überspitzt, ich weiß, aber viel zu oft die Realität, wie ich in diversen Gesprächen mit Bewerbern oder im Freundes- und Bekanntenkreis schon oft mitbekommen habe.

Was ich mit dem Beispiel deutlich machen möchte? Wir müssen Frauen viel mehr helfen, sich selbst zu helfen (oder vor sich selbst zu schützen) als sie mit ideologischen Parolen zu indoktrinieren.

Der Kampf der traditionellen Feministinnen ist gekämpft.

Nun ist es an jeder einzelnen Frau, das für sie Beste und Meiste aus ihrem Leben herauszuholen. Denn Chancengleichheit definiert sich heutzutage für mich darüber, dass wir Frauen alleine entscheiden dürfen, welchen Weg wir gehen wollen. Ohne Regeln, ohne Vorschriften, ohne Grenzen. Keiner sagt mehr, wie es sein muss. Ob wir uns für Karriere, Familie oder beides entscheiden, liegt in unserem eigenen Ermessen. Die große Herausforderung besteht lediglich darin, dass wir einander diesen Freiraum lassen. Und ihn akzeptieren, respektieren und hoffentlich sogar bewundern.

Das fällt bisher eher den Frauen schwer. Nicht den Männern.

Meine ersten 100 Stunden im neuen Job – ein erstes Fazit

Dienstag, 14. September 2010

Andere brauchen für ihr erstes Fazit 100 Tage. Ich gebe Euch bereits nach 100 Stunden ein Update. Ich bin eben von der ganz schnellen Sorte:-) Hier nun also meine Tops und Flops der letzten Woche.

In erster Linie war meine erste Woche geprägt von Speed-Dating. So habe ich die ersten vier Tage nahezu komplett damit verbracht, jeden einzelnen Mitarbeiter bei Young Internet persönlich in einem 20-minütigen Gespräch kennen zu lernen. Vom Abteilungsleiter bis zum Azubi. Jeden! Das war superspannend und aus meiner Sicht der beste Start in den neuen Job. Denn jetzt kenne ich alle Namen, alle Funktionen, alle Abteilungen, weiß was die Mitarbeiter toll finden und was sie stört. Habe in sehr kurzer Zeit ein sehr gutes Gefühl für das Unternehmen bekommen und freue mich nun noch mehr auf die Herausforderungen, die vor uns liegen.

Ein weiteres Top der Woche war definitiv, dass ich nicht wirklich wusste, was für eine tolle Stadt Berlin ist (und ich stehe wahrscheinlich immer noch ganz am Anfang dieser Erkenntnis). Ich komme dort morgens so gerne an, gehe dort abends so gerne Essen, liebe das weltoffene und großstädtische Lebensgefühl und freue mich, dass ich durch meine Pendelei best-of-both-worlds bekomme. Das heimische, vertraute, maritime Flair von Hamburg und die aufregende, pulsierende und internationale Atmosphäre von Berlin.

Was war noch toll?

Durchschlafen!

Ich kann Euch das Glücksgefühl nicht beschreiben, das man empfindet, wenn man nach 4 Monaten praktisch erstmalig wieder acht Stunden am Stück schlafen kann. Die Woche in Berlin war wie Urlaub! Wirklich! Zu wissen, dass John & Henry in Hamburg bei meinem Mann in besten Händen sind und ich einfach ins Bett fallen kann, ohne die 4-Uhr-morgens-Flasche zu fürchten, war wirklich paradiesisch. Ich bin so einfach glücklich zu machen…

Positiv überrascht war ich durch die Tatsache, dass mir die Zugfahrerei so gut wie gar nichts ausmacht. Ich finde es eigentlich ganz entspannend 1,5 Stunden im Zug zu sitzen, zu arbeiten, Zeitung zu lesen, zur Ruhe zu kommen und mir Gedanken über die Eindrücke des Tages zu machen. Das ist irgendwie echte Quality-time für mich. Might sound strange, ist aber so.

Natürlich gab es auch Flops.

Hauptflop ist, dass unsere Kinderfrau diese Woche komplett ausfällt und wir somit gleich mal zu Beginn meines neuen Jobs den Ernstfall proben. In diesen Momenten sind Schwiegereltern und Eltern einfach der absolute Fels in der Brandung.

Ein weiterer Flop war der Totalausfall meiner technischen Infrastruktur. Ich habe es in nur einer Woche geschafft, dass zwei Laptops und ein Telefon ihren Geist aufgegeben haben. Dass das bei mir panikartige Zustände auslöst, habe ich glaube ich schon mal durchblicken lassen. Gott sei Dank war die Woche durch das Offline-Speed-Dating gut gefüllt, so dass sich die Entzugserscheinungen in Grenzen hielten.

Alles in allem eine sehr schöne Woche.

In erster Linie auch deshalb, weil ich wieder mal gemerkt habe, dass ich erst mit Kindern und Job wirklich glücklich bin.

Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin…ab jetzt fast täglich!

Montag, 6. September 2010

Ich bin seit heute stolze Besitzerin einer schwarzen Bahncard. Für Alle, die diesem elitären Kreis nicht angehören: Es handelt sich dabei um eine Bahncard100, mit der man uneingeschränkt und ohne ein Ticket zu kaufen Bahn fahren kann.

Wenige von Euch werden das beneidenswert finden.

Wäre ich heute Morgen Hon-Member geworden, würde ich sicherlich jetzt Autogramm-Anfragen bekommen und wäre in die Liga der richtig coolen Menschen dieser Welt aufgestiegen (die das fantastische Glück haben mehr als 300.000 Meilen pro Jahr in der Luft zu verbringen).

Ich bin aber nicht Hon, sondern Bahncard100-Besitzerin.
Und Monster-stolz!

Nicht unbedingt, weil ich nun im Sommer in den Genuss von 50 Grad Celsius aufgrund defekter Klima-Anlagen und im Winter auf zwei Stunden Verspätung aufgrund vereister Oberleitungen komme. Und auch nicht, weil mir das Chili con Carne im Bord-Bistro so gut schmeckt.

In meinem Fall freue ich mich auf das Ziel am Ende der Zugfahrt. Und das heißt morgens Panfu und abends zu Hause.

Denn ab heute bin ich Geschäftsführerin der Young Internet GmbH in Berlin, die die Online-Spiele für Kinder Panfu und Oloko betreibt.

Ich freue mich wie Bolle auf den neuen Job und da mich keiner interviewen wollte, interviewe ich mich einfach selbst:

1. Verena, welche Rolle übernimmst Du bei Panfu? Anschlussfrage: Was passiert mit den Gründern?

Ich übernehme bei Panfu die Rolle des CEO und bilde zusammen mit den Gründern Moritz Hohl und Kay Kühne die Geschäftsführung. Kay und Moritz haben es in nur drei Jahren geschafft, aus Panfu Europas größtes Online-Spiel für Kinder zu machen, nun gilt es darauf aufzubauen und das Unternehmen kontinuierlich weiterzuentwickeln.

2. Panfu ist bisher sehr gut ohne Dich klar gekommen. Wieso braucht es einen neuen CEO?

Panfu hat sich in der Tat zu einer der erfolgreichsten virtuellen Welten für Kinder in Europa entwickelt und ist bereits in 15 Ländern mit mehr als 15 Millionen Nutzern aktiv. Doch wir wollen mehr, weil wir wissen, wie viel Potenzial im Social Gaming Markt steckt. Im Klartext heißt das: Mehr Länder, mehr Umsatz und weitere Social Games, die unter dem Dach von Young Internet auf den Markt gebracht werden. Da konnte das Unternehmen eine weitere Arbeitskraft ganz gut gebrauchen.

3. Was möchtest Du bei Panfu besonders vorantreiben?

Unser Hauptziel ist es, der Marktführer in Europa für Social Games im Kindersegment zu werden. Meine Kernaufgabe sehe ich darin, das Wachstum in den bestehenden Märkten und die Internationalisierung des Unternehmens vorantreiben. Außerdem – und das ist mein großes Ziel – möchten wir die spielerische Instanz für die Vermittlung von Medienkompetenz werden.

4. Medienkompetenz ist ein ähnlich abgedroschener Begriff wie Nachhaltigkeit. Was verstehst Du darunter und was möchte Panfu unternehmen, um dieses Feld zu belegen?

Medienkompetenz ist für mich die Fähigkeit die neuen Medien sicher und sinnvoll zu nutzen. Kinder und Jugendliche befinden sich heute – anders als wir früher – schon in sehr jungen Jahren in der Lage Informationen nicht nur zu empfangen, sondern vor allem zu senden. Und für dieses Senden gibt es noch viel zu wenig Anleitung und Hilfe. Die Eltern und besonders die Mütter sind häufig mit der Fülle der Angebote überfordert und können ihre Kinder daher schlecht unterstützen. Daher müssen die Kinder lernen, welche Konsequenzen ihr Handeln im Netz hat und wie sie sich Anderen gegenüber verhalten sollten. Panfu möchte sich das Thema Medienkompetenz groß auf die Fahnen schreiben: Durch zahlreiche Tipps auf unserer Website, Summercamps, Open-House-Tage in unseren Büroräumen und klare Regeln für die Kommunikation der Pandas untereinander. Auf diese Weise wollen wir Kinder wie Eltern an das Thema Medienkompetenz spielerisch heranführen.

5. Was ist für Dich das Besondere an Deinem neuen Job? Warum hast Du Dich für Panfu entschieden?

Das Besondere an meinem neuen Job sind in erster Linie die Menschen mit denen ich zusammen arbeiten werde. Die Gründer Kay und Moritz haben aus einer sehr guten Idee ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut und sind echte Vollblut-Unternehmer. Die Mitarbeiter kommen aus über 15 Ländern und bereichern mit ihrer unterschiedlichen Herkunft das Unternehmen, in dem sie verschiedene Sichtweisen und Erfahrungen einbringen und Panfu zu einem internationalen Unternehmen mitten in Deutschland machen. Und unsere Investoren hatten die Größe, meinen im 8. Monat schwangeren Bauch zu ignorieren (bzw. zu bewundern) und mir diesen Job zu geben und zuzutrauen.

6. Was macht für Dich eine gute Seite für Kinder aus?

Eine gute Seite für Kinder sollte in erster Linie so sicher sein, dass die Eltern ihr grenzenlos vertrauen können, sie Kindern Spaß macht und auf spielerische Art und Weise Medienkompetenz vermittelt. Denn nur wenn Eltern und Kinder zufrieden sind, wird sich eine solche Seite durchsetzen. Wir wollen Kinder begeistern und Eltern überzeugen.

7. Eine persönliche Frage: Du twitterst und bloggst fleißig. Wird es dabei auch bleiben, wenn Du Geschäftsführerin bist?

Ganz bestimmt! Denn das mache ich aus Spaß und Überzeugung. Ich habe durch Social Media viele beeindruckende Menschen kennen gelernt, die mein Leben bereichern. Natürlich gebe ich viel von mir preis, aber ich sehe Transparenz nicht als Gefahr sondern Chance. Die Zeiten, dass Kollegen und Mitarbeiter nichts Persönliches über ihren Vorgesetzten wissen, sollten vorbei sein.

Verena, vielen Dank für das Gespräch.
Gerne, Verena.

Pressestimmen:

Meedia

Internet World Business

Deutsche Startups

Kind & Karriere – wieso ich keine Rabenmutter bin.

Montag, 16. November 2009

Soll ich wirklich über dieses Thema schreiben? Irgendwie kann man da nur verlieren.  Auf der anderen Seite gibt es wahrscheinlich kein Thema, welches Frauen in Deutschland mehr bewegt als die Frage, ob man Kind und Karriere unter einen Hut bekommen kann, darf, muss, möchte.

Ich möchte. Und ich darf. Und ich kann. Aber ich muss nicht. Und das ist wahrscheinlich entscheidend für meine Einstellung zu diesem Thema. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass jede Frau (und damit ihre Beziehung und die Kinder selber) maximal glücklich ist, wenn sie ihr eigenes Modell gewählt hat. Wenn sie den Weg geht, den sie selber gehen möchte und es nicht Anderen zu liebe tut. Glück und Zufriedenheit hängen für mich nicht davon ab, für welche Variante man sich entscheidet, sondern ob man 100% hinter seiner Entscheidung steht. Gegen alle Widerstände.

Eine Frau, die zu Hause bleibt, weil es irgendwer von ihr erwartet, obwohl sie eigentlich lieber arbeiten würde ist genauso unzufrieden wie diejenige, die arbeiten geht, um irgendwem etwas zu beweisen, obwohl sie am liebsten den ganzen Tag mit ihren Kindern zusammen wäre. Natürlich unterstelle ich mit der freien Auswahl der Optionen den Luxus, dass man nicht arbeiten muss, wenn man lieber zu Hause bleiben möchte. Natürlich gilt dieses für die Mehrzahl der Frauen in Deutschland nicht. Sie haben schlichtweg keine Wahl, ob sie arbeiten möchten oder nicht. Sie müssen.

Aber auf all diejenigen, die nicht müssen, trifft meine These zu. Glaube ich zumindest. Wenn fulltime mums, working mums missionieren wollen, dann kann das zwei Gründe haben. Entweder sind sie einfach so überzeugt von ihrem eigenen Modell, dass sie der Meinung sind, es wäre das Beste für jede Frau es ihnen nachzumachen. Oder – und das ist meiner Erfahrung nach häufiger der Fall – sie sind mit ihrer ausschließlichen Mutterrolle nicht zufrieden. Vielleicht weil diese sie nicht ausfüllt oder sie sich unterfordert fühlen. Vielleicht, weil ihnen ihr Umfeld zu wenig Wertschätzung entgegenbringt oder weil sie den Zeiten hinterher trauern, in denen sie selber erfolgreich im Berufsleben standen.

Wenn working-mums hingegen fulltime mums belächeln, dann offensichtlich, weil sie bei sich selbst etwas vermissen, sich überfordert fühlen, glauben ihren Kindern nicht gerecht zu werden, Angst haben, dass die häufige Abwesenheit zu Defiziten führt oder bedauern, dass immer die Nanny zum Turnen und Basteln geht und nie sie selbst. Und das lässt man dann eben am liebsten an Frauen aus, die das Leben führen, welches man zum Teil selber gerne hätte. Menschlich? Vielleicht. Erstrebenswert? Nein.

Ist man hingegen zufrieden, mit dem Weg, den man gewählt hat – egal ob fulltime mum, part-time mum oder working mum – hat man keinen Grund andere zu kritisieren oder zu beneiden. Denn man ist ganz einfach glücklich. Und freut sich über jeden, der es auch ist.

Ich bin glücklich. Als working mum. Denn ich liebe es zu arbeiten. Und ich liebe meine Familie. Für mich ist es das schönste Leben, morgens mit meinen Männern zu frühstücken, dann zehn Stunden zu arbeiten und abends noch 1-2 Stunden mit meinem Sohn zu verbringen. Wenn er dann um 20 Uhr ins Bett geht, habe ich Zeit für meinen Mann, Sport, noch mehr Arbeit oder Freunde. Nichts machen kann ich nicht. Ich kann es wirklich nicht. Ich muss einfach immer was machen. Insofern würde ich meinem Sohn stark auf den Keks gehen, wenn ich den ganzen Tag bei ihm wäre. Denn er müsste die ganze Zeit etwas machen. Und zwar wahrscheinlich sehr oft das, was ich gerade machen möchte. Und das würde ihm wenig Spaß machen. Oder gar keinen.

So hingegen komme ich abends nach Hause, habe viel erlebt und nutze die Zeit mit ihm, um zu entspannen und abzuschalten. Er ist mein perfekter Schutz vor mir selbst. Ohne ihn würde ich wahrscheinlich nie zur Ruhe kommen, würde immer viel zu lange arbeiten und hätte wenig Ausgleich. Durch ihn habe ich „best of both worlds“.

Für mich lässt sich die ganze Diskussion um dieses Thema hervorragend mit „leben – und leben lassen“ zusammenfassen. Wenn man für sich selbst das optimale Modell gefunden hat (was schwer genug ist), dann sollte man es keiner anderen Frau schwermachen ihren Weg zu gehen. Denn das macht einen selbst kein Stück glücklicher. Im Gegenteil.