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Warum Deutschland Berlin braucht!

Sonntag, 28. Dezember 2014

Seit ein paar Wochen habe ich meine eigene Kolumne “Pausder auf den Punkt” auf www.wiwo.de. Hier werde ich in Zukunft 1x pro Monat zu einem Thema meiner Wahl schreiben. Falls Ihr also Wünsche oder Ideen habt, her damit! Meine Kolumne habe ich mit dem Thema “Warum Deutschland Berlin braucht” gestartet! Happy reading:)

Berlin ist Hauptstadt. Berlin ist Weltstadt. Berlin ist hip und cool. Berlin ist der Spielplatz der Gründer und der digitale Durchlauferhitzer der Republik.

Während sich Car2go aus Düsseldorf und Ulm zurückzieht, boomt Carsharing in Berlin und wir prügeln uns um das nächstgeparkte Auto.

Wir lieben Uber und wundercar, stellen unsere Wohnungen auf airbnb und Wimdu ein und leihen uns Abendkleider bei Laremia.

Wir trinken den besten Kaffee der Welt und bringen unsere Hunde mit ins Büro. Ach ja, apropos Büros: Wir wollen nicht mehr in Teppich-Büros mit niedrigen Decken und Oberlichtern arbeiten, sondern der Arbeitsplatz soll etwas Besonderes sein. Nicht nur inhaltlich, sondern vor allem auch optisch. Soundcloud, Researchgate, wooga und Onefootball machen es vor.

Wir co-worken im betahaus, St. Oberholz oder Soho House und finden Einzelbüros höchst suspekt.

Wir bestellen Produkte, die noch keiner kennt, auf Kickstarter und crowd-investieren bei Companisto, Seedmatch, indiegogo und Bergfürst. Nicht, weil wir wirklich mit einer Rendite rechnen, sondern weil wir einfach dabei sein wollen.

Wir trainieren mit Freeletics, Runtastic und gymondo und haben schon lange kein Fitness-Studio mehr von innen gesehen. Wir bestellen unser Essen bei Home Eat Home, Eatfirst oder Marley Spoon und finden es zeitraubend im Supermarkt einzukaufen.

Und wir werden sicherlich die Ersten sein, die mit Google Glass und iWatch durch die Straßen rennen und Nutzerreports ins Netz stellen.

All dies mag Menschen außerhalb von Berlin hochgradig suspekt vorkommen. Viele mag diese vermeintliche Parallelwelt an einen Hype oder gar eine Blase erinnern. Und dass die Gesamtheit aller Berliner Startups mehr Verlust als Umsatz macht, ist für Viele ein weiterer Indikator dafür, dass es sich bei diesem digitalen Versuchslabor eher um ein vorübergehendes Phänomen als um eine ernstzunehmende Zukunftsschmiede handeln kann.

Aber dieser Schluss ist falsch.

Berlin braucht den Rest von Deutschland – das ist richtig. Denn natürlich sind der Mittelstand und die Schwergewichte unserer Wirtschaft immer noch das Rückgrat unseres Landes.

Aber der Rest von Deutschland braucht auch immer mehr Berlin.

Denn was in Berlin gerade passiert, sollten sich Unternehmensvertreter des Mittelstands und der Old Economy ganz genau ansehen. Kein Unternehmen kann es sich leisten, die Produkte, Dienstleistungen und die Lebensweise, die hier Trend ist, zu ignorieren oder klein zu reden.

Während es in Rest-Deutschland immer noch keine Kultur des Scheiterns oder des Fehler-Eingestehens gibt, ist es in Berlin teurer geworden stehen zu bleiben als Fehler zu machen oder zu scheitern. Und das lässt die Schere zwischen der digitalen Wirtschaft und den traditionellen Unternehmen immer weiter aufgehen.

Berlin ist in puncto Startups das Labor der Republik.

Nirgendwo sonst in Deutschland wird so viel ausprobiert, experimentiert, hinterfragt und iteriert. Nirgendwo sonst werden die bisherige Arbeitswelt und die existierenden Unternehmen so sehr in Frage gestellt wie hier. Es gibt keine alten Zöpfe, die nicht abgeschnitten werden dürfen und es gibt keine Barrieren in den Köpfen, was geht und was nicht geht.

Alles ist möglich.

Aber das heißt nicht, dass alles erfolgreich ist.

Zum Glück nicht.

Denn Innovationen sind das Ergebnis von trial and error. Sie sind das Ergebnis von Prototypen, Fehlern, neuen Prototypen und schließlich der Essenz, die das Potential hat, am Markt erfolgreich zu sein.

Nicht jede Idee ist gut, nicht jedes Startup schafft die nächste Finanzierungsrunde, nur sehr wenige werden international erfolgreich. Aber entscheidend ist, dass es immer mehr werden. Und zwar mehr Menschen für die Unternehmertum und die neuen Technologien die beste Option darstellen, die Zukunft zu gestalten.

Die Digitalisierung ist keine Option mehr. Es geht nicht darum, ob ich als Unternehmen an ihr teilnehmen möchte oder nicht. Die Digitalisierung ist da und sie betrifft jeden Wirtschaftszweig, jedes Unternehmen und jeden Menschen. Wir leben in einer Zeit des noch nie vorher dagewesenen Wandels. Kein Stein bleibt auf dem Anderen, alles wird in Frage gestellt, alles verändert sich.

Und in Zeiten solch exponentiellen Wandels braucht die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt eine digitale Speerspitze.

Und das ist Berlin.

 

Meine ersten 100 Stunden im neuen Job – ein erstes Fazit

Dienstag, 14. September 2010

Andere brauchen für ihr erstes Fazit 100 Tage. Ich gebe Euch bereits nach 100 Stunden ein Update. Ich bin eben von der ganz schnellen Sorte:-) Hier nun also meine Tops und Flops der letzten Woche.

In erster Linie war meine erste Woche geprägt von Speed-Dating. So habe ich die ersten vier Tage nahezu komplett damit verbracht, jeden einzelnen Mitarbeiter bei Young Internet persönlich in einem 20-minütigen Gespräch kennen zu lernen. Vom Abteilungsleiter bis zum Azubi. Jeden! Das war superspannend und aus meiner Sicht der beste Start in den neuen Job. Denn jetzt kenne ich alle Namen, alle Funktionen, alle Abteilungen, weiß was die Mitarbeiter toll finden und was sie stört. Habe in sehr kurzer Zeit ein sehr gutes Gefühl für das Unternehmen bekommen und freue mich nun noch mehr auf die Herausforderungen, die vor uns liegen.

Ein weiteres Top der Woche war definitiv, dass ich nicht wirklich wusste, was für eine tolle Stadt Berlin ist (und ich stehe wahrscheinlich immer noch ganz am Anfang dieser Erkenntnis). Ich komme dort morgens so gerne an, gehe dort abends so gerne Essen, liebe das weltoffene und großstädtische Lebensgefühl und freue mich, dass ich durch meine Pendelei best-of-both-worlds bekomme. Das heimische, vertraute, maritime Flair von Hamburg und die aufregende, pulsierende und internationale Atmosphäre von Berlin.

Was war noch toll?

Durchschlafen!

Ich kann Euch das Glücksgefühl nicht beschreiben, das man empfindet, wenn man nach 4 Monaten praktisch erstmalig wieder acht Stunden am Stück schlafen kann. Die Woche in Berlin war wie Urlaub! Wirklich! Zu wissen, dass John & Henry in Hamburg bei meinem Mann in besten Händen sind und ich einfach ins Bett fallen kann, ohne die 4-Uhr-morgens-Flasche zu fürchten, war wirklich paradiesisch. Ich bin so einfach glücklich zu machen…

Positiv überrascht war ich durch die Tatsache, dass mir die Zugfahrerei so gut wie gar nichts ausmacht. Ich finde es eigentlich ganz entspannend 1,5 Stunden im Zug zu sitzen, zu arbeiten, Zeitung zu lesen, zur Ruhe zu kommen und mir Gedanken über die Eindrücke des Tages zu machen. Das ist irgendwie echte Quality-time für mich. Might sound strange, ist aber so.

Natürlich gab es auch Flops.

Hauptflop ist, dass unsere Kinderfrau diese Woche komplett ausfällt und wir somit gleich mal zu Beginn meines neuen Jobs den Ernstfall proben. In diesen Momenten sind Schwiegereltern und Eltern einfach der absolute Fels in der Brandung.

Ein weiterer Flop war der Totalausfall meiner technischen Infrastruktur. Ich habe es in nur einer Woche geschafft, dass zwei Laptops und ein Telefon ihren Geist aufgegeben haben. Dass das bei mir panikartige Zustände auslöst, habe ich glaube ich schon mal durchblicken lassen. Gott sei Dank war die Woche durch das Offline-Speed-Dating gut gefüllt, so dass sich die Entzugserscheinungen in Grenzen hielten.

Alles in allem eine sehr schöne Woche.

In erster Linie auch deshalb, weil ich wieder mal gemerkt habe, dass ich erst mit Kindern und Job wirklich glücklich bin.