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Frauenquote? Really?

Dienstag, 10. Dezember 2013

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Das Thema Frauenquote ist (mal wieder) omnipräsent. Eigentlich war es nie weg,  aber jetzt ist es amtlich: Ab 2016 sollen 30% der neu zu besetzenden Aufsichtsratspositionen durch Frauen besetzt werden.

Bisher habe ich mich immer erfolgreich um eine abschließende Meinung zum Thema „Frauenquote“ gedrückt, aber jetzt habe ich plötzlich das Bedürfnis nach einer klaren Position. Gar nicht so einfach.

Ein Selbstversuch.

Die Frauen meiner Generation wollen viel vom Leben und es wird viel von ihnen erwartet. Wir wollen (mal mehr, mal weniger) und sollen Kinder bekommen, gerne mehr als 1,3 und gleichzeitig Karriere machen und die Führungsetagen erobern.

Best of all worlds ist das Ziel.

Überforderung und Selbstzweifel häufig die Realität.

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Aus meiner Sicht werden wir ein modernes Frauenbild in Deutschland prägen und junge Frauen für ihren Weg bewundern und respektieren, wenn wir sie selber entscheiden lassen, welchen Weg sie gehen wollen. Eine kinderlose Top-Managerin kann genau so glücklich werden wie eine Vollzeitmutter, die keinen Beruf ausübt. Eine Mutter, die Teilzeit arbeitet kann genauso erfüllt sein (von Job und Kindern) wie eine Vollzeit-arbeitende Mutter. Entscheidend für das Glück jeder Einzelnen (und damit der Gesellschaft) ist – wie ich bereits schon mal in diesem Blogpost geschrieben habe – , dass wir aufhören Frauen durch Frauenquote und Betreuungsgeld zu bevormunden und ihnen anfangen zuzutrauen, dass sie in der Lage sind ihren Weg selber zu gehen.

Im Gegenzug dürfen wir jungen Frauen uns nicht über mangelnde Chancen beschweren – denn sie sind größer und vielfältiger denn je – sondern unser Leben selbst in die Hand nehmen. Es ist neu, dass wir die Wahl haben. Jetzt müssen wir den Mut haben, die Chancen, die sich bieten, selbstbestimmt zu ergreifen.

Folglich bin ich gegen die Quote.

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Unsere Kinder sind kein Projekt

Donnerstag, 7. Februar 2013

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Alle paar Monate kommt dieser Moment. Dass mir ein Thema plötzlich so unter den Fingernägeln brennt, dass ich nicht anders kann als meinen Gedanken freien Lauf zu lassen und sie ohne viel Nachdenken herunterzuschreiben.

Am Sonntag gab es mal wieder so einen Moment. In der „Welt am Sonntag“ habe ich den Artikel „Die Geschichte vom ewigen Zappelphilipp“ gelesen mit der Unter-Überschrift „Nie zuvor wurden in Deutschland so viele ADHS-Fälle diagnostiziert“.

Dieser Artikel hat eine Flut von Gefühlen und Gedanken bei mir freigesetzt, die ich jetzt ungefiltert mit Euch teile.

Der Stein meines Anstoßes ist das folgende Zitat einer Mutter in dem WamS-Artikel:

„Wenn im Kindergarten alle malten, zog mein Sohn sich zurück und las. Und heute noch, wenn ich in sein Zimmer komme, und er sitzt mit dem Rücken zur Wand, dann erschrickt er sich zu Tode, weil er sich in einer Parallelwelt befindet“.

Ja und?

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Apps für Kinder – warum ich ab heute noch mehr dafür bin als je zuvor!

Donnerstag, 3. November 2011

Grollys Tierwelten

Die häufigste Frage, die mir Eltern stellen, wenn sie hören, dass wir mit Young Internet edukative Online- und mobile games für Kinder entwickeln ist: „Welches Onlineangebot kannst Du mir für mein Kind empfehlen?“ Sprich, welche App ist die richtige für welche Altersgruppe, welches Webangebot eignet sich für die ersten Schritte im Netz, was ist gut für meine kleine Tochter oder meinen kleinen Sohn und wie bringe ich meinem Kind die sinnvolle und verantwortungsbewusste Nutzung von sozialen Netzwerken bei? Wie lange sollten Kinder in welchem Alter das Internet nutzen oder wie oft und lange kann man sie eine App spielen lassen?

Die Unsicherheit ist groß, die Transparenz über die Angebote klein.

Was komplett fehlt, ist ein Portal oder eine Ratgeber-Seite, die Empfehlungen für Eltern ausspricht, welche Mediennutzung in welchem Alter sinnvoll ist und welche Angebote es im Web und auf den mobilen Endgeräten gibt.

Dieses Problem werde ich in diesem Post nicht lösen, aber es steht ganz oben auf unserer Agenda. Nämlich nicht nur geeignete Angebote für Kinder selber zu entwickeln, sondern auch Transparenz zu schaffen, was es bereits gibt und was für welches Alter geeignet ist.

Was wir aber heute geschafft haben ist das Ipad-Angebot für Kinder um ein echtes highlight zu erweitern: Seit heute kann man unsere neueste Ipad-App Grollys Tierwelten kostenlos im Appstore downloaden!

Wer mich kennt weiß, dass ich Produkte, Dienstleistungen oder Bücher nur dann empfehle, wenn ich zu 100% von ihnen überzeugt bin. Und wenn ich sicher bin, dass meine Empfehlung ein absoluter Mehrwert und keine kurzfristige Vertriebsmasche ist.

Ich empfehle heute allen Eltern und Großeltern mit Kindern und Enkelkindern zwischen 2-10 Jahren aus vollem Herzen Grollys Tierwelten. Ich würde das auch tun, wenn wir die App nicht selber entwickelt hätten. Genauso wie ich jedem erzählt habe, dass die “Schlaf gut”-App ein must-have ist, obwohl wir nichts mit der Entwicklung und dem Vertrieb zu tun hatten. Und die App uns eigentlich sogar Konkurrenz macht.

Grollys Tierwelten ist das erste Produkt von Young Internet, welches unseren Anspruch an edukative, liebevoll gestaltete und qualitativ hochwertige Produkte erfüllt. Wir sind einfach unheimlich stolz auf die App, weil wir glauben, dass sie Kinder und Eltern begeistern wird und weil Grollys Tierwelten für uns der endgültige Beweis ist, dass das Ipad das beste Medium ist, um Kindern die digitale Welt spielerisch und sinnvoll näher zu bringen.

Kambodschanischer Urwald

Für Alle, die sich jetzt fragen: „Müssen kleine Kinder denn schon ein Ipad benutzen?“ hier meine Antwort: Natürlich müssen sie das nicht. Aber sie werden mehr mit digitalen Produkten und Medien aufwachsen als jede Generation vor ihnen und der für mich sinnvollste Weg sie an diese digitale Welt heranzuführen ist das Ipad bzw. der tablet Computer allgemein.
Denn diese sind das erste Endgerät, welches Kinder intuitiv benutzen können und welches ihrer Art und ihren Fähigkeiten die (digitale) Welt zu entdecken am nähesten kommt. Was es noch viel zu wenig gibt, sind geeignete Apps für kleine Kinder, die den Anspruch an spielerisches Lernen, Spaß und sinnvolle Beschäftigung in sich vereinen.

Hier haben wir heute mit Grollys Tierwelten einen wichtigen Beitrag geleistet.

Kinderleicht

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Wie oft denke ich: wie unbeschwert unsere Kindheit war! Wir hatten wenig Pflichten und viele Freiheiten. Wenig Zwänge und viel Platz für Kreativität und Phantasie. Wir waren kleiner und die Probleme auch. Das Leben war einfach kinderleicht.

Noch öfter denke ich allerdings wie unnötig schwer wir Erwachsenen uns das Leben machen. Als Kind waren wir einfach wir selbst – ohne Agenda.

Wir waren ehrlich. Hauptsächlich weil wir gar nicht wussten wie unehrlich geht. Das war zwar häufig schonungslos, eventuell auch beleidigend und manchmal peinlich. Aber es war ehrlich. Und damit wusste jeder wo er stand.

Wir waren naiv. Einen Luxus, den wir uns als Erwachsene gar nicht mehr leisten können ohne gleich als dumm deklassiert zu werden. Naivität beinhaltet eine unendliche Freiheit und Unschuld. Man denkt nicht jedes Szenario zu Ende, man wägt nicht jede Handlung genau ab, man denkt nicht in Konsequenzen, sondern in Chancen. Und Möglichkeiten. Das ist sicherlich naiv, aber auch sehr erfrischend.

Wir haben uns getraut zu fragen. Und zwar alles. Lange “Warum”-Frageketten, die unsere Eltern bestimmt genervt, aber dazu geführt haben, dass wir zum Kern des Themas vorgedrungen sind. Und uns sicher waren, dass wir es verstanden hatten. Und uns nicht zu schade waren, noch zwei Mal (oder mehr) nachzufragen, wenn wir es noch nicht verstanden hatten. Wie oft erleben wir es heute als Erwachsene, dass wir es verlernt haben die richtigen Fragen zu stellen. Oder überhaupt welche.

Nach Podiumsdiskussionen und Vorträgen herrscht immer ein verschämtes Schweigen, weil jeder Angst hat sich mit seiner Frage zu blamieren und nicht eloquent und intelligent genug zu wirken. Außerdem ist es eigentlich schon peinlich genug zugeben zu müssen, dass man überhaupt eine Frage hat. Wenn man dann doch eine stellt ist es eher ein Statement oder eine Ergänzung zum Vortrag als eine wirkliche Frage. Denn die Blöße geben wir uns nicht.

Dabei gibt es eigentlich nichts Bewundernswerteres und Tiefgründigeres als Menschen, die die richtigen Fragen stellen. Und sich nicht zu schade sind, einfache Fragen zu stellen. Denn es sind die einfachen Fragen, an denen wir selber merken, ob wir ein Thema überhaupt verstanden haben. Denn einfache Fragen erlauben einfache Antworten. Und damit wird uns die Chance genommen uns hinter komplexen, verwirrenden und komplizierten Antworten zu verschanzen, weil wir tief im Inneren wissen, dass wir das Thema eigentlich selber noch nicht richtig durchdrungen haben. Wie oft möchte man seinem Gesprächspartner sagen “Erklär es doch bitte mal so, wie Du es einem 8-jährigen Kind erklären würdest”. Und wie oft trauen wir uns das nicht. Weil wir denken, dass es ein schlechtes Bild auf uns wirft.
Ich glaube ganz ehrlich, dass wir viel weniger Probleme im Privat- und Berufsleben hätten, wenn wir wieder mehr fragen würden. Und den Anspruch hätten, die Antworten auch zu verstehen. Und nicht schon mit dem Nicken beginnen würden, bevor die Antwort überhaupt angefangen hat. Doch dafür haben wir einfach unsere kindliche Unschuld verloren.

Wir waren intuitiv. Wir haben keinen Plan oder eine roadmap gemacht, um Themen, Probleme oder Aufgaben anzugehen. Sondern wir haben intuitiv gehandelt. Learning by doing. Nicht learning und dann doing. Wir waren unverkrampft und unverkopft. Und wir haben Einfachheit geliebt und Komplexität gemieden.

Es ist für uns als Erwachsene heute der größte Lerneffekt, wenn wir Kindern etwas in die Hand geben, um zu sehen, wie sie es bedienen und ob sie es bedienen können. Das fängt bei realen Produkten an und hört bei Webseiten auf. Steve Jobs’ neue Devise “mobile first” ist eigentlich nichts anderes als ein Aufruf zu mehr Einfachheit, intuitiver und übersichtlicher Bedienbarkeit. Etwas einfach darzustellen und intuitiv benutzbar zu machen ist viel schwerer als sich hinter künstlicher Komplexität zu verstecken. Es zu schaffen eine komplexe Anwendung auf einem kleinen Iphone-Bildschirm darzustellen und erlebbar zu machen ist eine große Leistung. Den Mut zu haben diese Einfachheit und Klarheit auf eine große Website zu übertragen ist dagegen echte Kunst. Die noch von viel zu wenigen praktiziert wird.

Wie sehr wünsche ich mir manchmal, dass kindliche Denke bei Erwachsenen mehr als Stärke denn als Schwäche gesehen wird. Warum legen wir in Bewerbungsgesprächen nicht mehr Wert auf diese Eigenschaften? Warum zwingen wir uns bei Antworten nicht darauf kindlich einfach, klar und geradlinig zu antworten?

Die Welt am Sonntag hat eine Beilage, die sich “kinderleicht” nennt. Dort ist die Welt der Erwachsenen für Kinder dargestellt.

Vereinfacht.
Auf den Punkt gebracht.
So dass Kinder sie verstehen.

Ich habe ein Interview für diese Beilage gegeben, welches am Sonntag erscheint und gemerkt, wie ehrlich, selbstkritisch und transparent man wird, wenn man weiß, dass Kinder einen verstehen müssen. Wie schwer es ist sich nicht hinter aussagelosen Fachbegriffen zu verschanzen, sondern die Dinge beim Namen zu nennen. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis am Sonntag.
Und ich nehme dieses Interview zum Anlass meinen Vorsatz für 2011 zu formulieren:

Ich möchte mich wieder mehr wie ein Kind benehmen und mehr in die kindliche Denke hineinversetzen.

Sollte eigentlich zu schaffen sein. Sollte eigentlich kinderleicht sein. Sollte man meinen.

Nachtrag: Hier der Artikel in der Welt am Sonntag.

Das Phänomen “Robinson Club”

Sonntag, 21. März 2010

Nun habe ich mir so sehr vorgenommen mehr offline zu sein und dieses besonders während unseres Urlaubs durchzuhalten, dass ich seit Wochen nicht mehr gebloggt habe…so gehts ja auch nicht. Hier bin ich also wieder. Um einen Urlaub und einen reichhaltigen Erfahrungsschatz über das Phänomen “Robinson Club” reicher.

Wir waren das erste Mal im Robinson Club und in den ersten Stunden hätten wir beide geschworen, dass es das letzte Mal sein würde. Animateure wohin das Auge reicht, aggressives Duzen, anstrengende Power-happiness und 400.000 Abkürzungen, die die Welt nicht braucht und nicht versteht. Highlight hier sicherlich das alltägliche Pool-Quiz “Jedami”. Übersetzt: “Jeder darf mitmachen”. Ist klar.
Dazu all-inclusive drinks an der Bar, welche sich bei mir aufgrund meines fortgeschrittenen Zustands auf Fanta Lemon und Wasser beschränkten. Noch nicht mal hier konnte ich also Boden gutmachen. Abends dann das interessante Erlebnis an 8-12er Tischen mit wildfremden Menschen zu sitzen, zwanghafte Konversation machen zu müssen und Zeuge von Tischmanieren zu werden, die zumindest dazu geführt haben, dass man überflüssige Kilos verloren hat, weil man keinen Hunger mehr hatte.

So weit so schlecht.

Dann noch der endgültige Dämpfer in Hinsicht auf Kinderbetreuung von unter-3-Jährigen. Den gesamten Hinflug hatten wir mit John trainiert, dass er 1. John heißt, 2. drei Jahre alt ist (obwohl er gerade 2 geworden ist) und 3. sich total erwachsen und 3-jährig benehmen soll (d.h. seine Windel während der Kinderbetreuungszeit im Robyclub als reines Deko-Objekt betrachten möge). Optimistisch, dass er all diese Informationen verinnerlicht hätte, meldeten wir ihn also gleich am ersten Tag mit falschem Geburtsjahr (nämlich 2006 statt 2007) stolz in der Kinderbetreuung an. Alles ganz reibungslos. Dann folgte die erwartete Vorstellungsrunde aller Kinder. “Ich heiße Annabell und bin 5 Jahre alt”, “Heiße Luis und bin 3″….

Animateurin: Und Du, wer bist Du?
Antwort John: Don.
Animateurin: Und wie alt bist Du Don?
Antwort John: Swei.
Animateurin: Nein, Du bist doch sicherlich schon drei, oder?
Antwort John: NEIN, SWEI!!!

Prima. Experiment erfolgreich missglückt und uns wurde in diesem Moment bewusst, dass wir die Mahlzeiten mit wildfremden Leuten und den Rest des Tages und der Nacht mit unserem Sohn verbringen würden. Adieu Zweisamkeit und Erholung… so dachten wir.

Doch es wurde besser. Nachdem wir uns akklimatisiert und ein bisschen erholt hatten, fingen wir plötzlich an die positiven Seiten dieses Club-Konzepts zu sehen.
Bei strahlend blauem Himmel und 25 Grad – welche ich jetzt mal großzügig dem Robinson Club zurechne – entdeckten wir den Strand, das zwar kalte, aber erfrischende Meer, die Tatsache, dass man am Buffet nie anstehen musste, weil es so viele Kochinseln gab, den Babypool mit 35 Grad (in welchen Lutz und ich zwar nicht den großen Zeh steckten, weil wir uns sicher waren, dass das Wasser nicht aufgrund der Heizung 35 Grad hatte…), den John aber liebte und die Mini-Disko am Abend, die unseren Sohn absolut verzückte und ihn danach lächelnd einschliefen ließ.
Zwar betrachtet man sich teilweise immer noch von außen und ist zutiefst dankbar, dass einen Freunde und Geschäftspartner gerade nicht beim Roby-Clubtanz beobachten “Der Roby mit der Sonnenbrille ulala, tanzt so gerne mit Sybille ulala”… doch auf der anderen Seite ist man durch den täglich gleichen Ablauf Frühstück – Strand – Mittagessen – Mittagsschlaf – Babypool – Sport – Abendessen – Minidisko – Bett und die Tatsache, dass man außerhalb der Tore des Clubs auf Fuerteventura nichts Sehenswertes verpasst, plötzlich so tiefenentspannt, dass man wirklich beginnt sich zu erholen.

Und so würde ich zwar nicht soweit gehen zu sagen, dass wir jetzt jedes Jahr in den Robinson Club fahren, aber ich kann auch nicht mehr mit Inbrunst behaupten, dass es das letzte Mal war. Denn die Vorstellung, dass unsere Kiddies irgendwann drei und fünf sind, von der Kinderbetreuung verschluckt werden, ich nicht mehr 150kg wiege und Lutz und ich zusammen Sport machen, segeln und am Strand liegen und ein Buch lesen, lässt sogar “Jedami”, “Roby-Clubtanz” und Kommunen-Abendessen wie Peanuts erscheinen.

Kind & Karriere – wieso ich keine Rabenmutter bin.

Montag, 16. November 2009

Soll ich wirklich über dieses Thema schreiben? Irgendwie kann man da nur verlieren.  Auf der anderen Seite gibt es wahrscheinlich kein Thema, welches Frauen in Deutschland mehr bewegt als die Frage, ob man Kind und Karriere unter einen Hut bekommen kann, darf, muss, möchte.

Ich möchte. Und ich darf. Und ich kann. Aber ich muss nicht. Und das ist wahrscheinlich entscheidend für meine Einstellung zu diesem Thema. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass jede Frau (und damit ihre Beziehung und die Kinder selber) maximal glücklich ist, wenn sie ihr eigenes Modell gewählt hat. Wenn sie den Weg geht, den sie selber gehen möchte und es nicht Anderen zu liebe tut. Glück und Zufriedenheit hängen für mich nicht davon ab, für welche Variante man sich entscheidet, sondern ob man 100% hinter seiner Entscheidung steht. Gegen alle Widerstände.

Eine Frau, die zu Hause bleibt, weil es irgendwer von ihr erwartet, obwohl sie eigentlich lieber arbeiten würde ist genauso unzufrieden wie diejenige, die arbeiten geht, um irgendwem etwas zu beweisen, obwohl sie am liebsten den ganzen Tag mit ihren Kindern zusammen wäre. Natürlich unterstelle ich mit der freien Auswahl der Optionen den Luxus, dass man nicht arbeiten muss, wenn man lieber zu Hause bleiben möchte. Natürlich gilt dieses für die Mehrzahl der Frauen in Deutschland nicht. Sie haben schlichtweg keine Wahl, ob sie arbeiten möchten oder nicht. Sie müssen.

Aber auf all diejenigen, die nicht müssen, trifft meine These zu. Glaube ich zumindest. Wenn fulltime mums, working mums missionieren wollen, dann kann das zwei Gründe haben. Entweder sind sie einfach so überzeugt von ihrem eigenen Modell, dass sie der Meinung sind, es wäre das Beste für jede Frau es ihnen nachzumachen. Oder – und das ist meiner Erfahrung nach häufiger der Fall – sie sind mit ihrer ausschließlichen Mutterrolle nicht zufrieden. Vielleicht weil diese sie nicht ausfüllt oder sie sich unterfordert fühlen. Vielleicht, weil ihnen ihr Umfeld zu wenig Wertschätzung entgegenbringt oder weil sie den Zeiten hinterher trauern, in denen sie selber erfolgreich im Berufsleben standen.

Wenn working-mums hingegen fulltime mums belächeln, dann offensichtlich, weil sie bei sich selbst etwas vermissen, sich überfordert fühlen, glauben ihren Kindern nicht gerecht zu werden, Angst haben, dass die häufige Abwesenheit zu Defiziten führt oder bedauern, dass immer die Nanny zum Turnen und Basteln geht und nie sie selbst. Und das lässt man dann eben am liebsten an Frauen aus, die das Leben führen, welches man zum Teil selber gerne hätte. Menschlich? Vielleicht. Erstrebenswert? Nein.

Ist man hingegen zufrieden, mit dem Weg, den man gewählt hat – egal ob fulltime mum, part-time mum oder working mum – hat man keinen Grund andere zu kritisieren oder zu beneiden. Denn man ist ganz einfach glücklich. Und freut sich über jeden, der es auch ist.

Ich bin glücklich. Als working mum. Denn ich liebe es zu arbeiten. Und ich liebe meine Familie. Für mich ist es das schönste Leben, morgens mit meinen Männern zu frühstücken, dann zehn Stunden zu arbeiten und abends noch 1-2 Stunden mit meinem Sohn zu verbringen. Wenn er dann um 20 Uhr ins Bett geht, habe ich Zeit für meinen Mann, Sport, noch mehr Arbeit oder Freunde. Nichts machen kann ich nicht. Ich kann es wirklich nicht. Ich muss einfach immer was machen. Insofern würde ich meinem Sohn stark auf den Keks gehen, wenn ich den ganzen Tag bei ihm wäre. Denn er müsste die ganze Zeit etwas machen. Und zwar wahrscheinlich sehr oft das, was ich gerade machen möchte. Und das würde ihm wenig Spaß machen. Oder gar keinen.

So hingegen komme ich abends nach Hause, habe viel erlebt und nutze die Zeit mit ihm, um zu entspannen und abzuschalten. Er ist mein perfekter Schutz vor mir selbst. Ohne ihn würde ich wahrscheinlich nie zur Ruhe kommen, würde immer viel zu lange arbeiten und hätte wenig Ausgleich. Durch ihn habe ich „best of both worlds“.

Für mich lässt sich die ganze Diskussion um dieses Thema hervorragend mit „leben – und leben lassen“ zusammenfassen. Wenn man für sich selbst das optimale Modell gefunden hat (was schwer genug ist), dann sollte man es keiner anderen Frau schwermachen ihren Weg zu gehen. Denn das macht einen selbst kein Stück glücklicher. Im Gegenteil.