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Offline reloaded – Ich bin dann mal weg!

Donnerstag, 29. Juli 2010

Ich bin dann mal weg

Im Februar diesen Jahres habe ich einen langen Blogpost darüber geschrieben, dass ich lernen möchte, wieder mehr offline zu sein. Ehrlicherweise habe ich mich nicht besonders konsequent an diesen Vorsatz gehalten und alle möglichen und z.T. auch unmöglichen Momente genutzt, um zu twittern, zu facebooken oder zu bloggen. Nun steht mal wieder eine echte Chance vor der Tür, meine Lernfähigkeit in diesem Bereich unter Beweis zu stellen.

Ab morgen fahre ich nämlich für drei Wochen in die Ferien!

Total crazy, ich weiß.

Und mein fester Vorsatz lautet: Kein Twitter, kein Blogpost, wenig facebook und sonstigen Internet-/Mailkonsum auf eine Stunde täglich beschränken.

Total abgefahren, ich weiß.

Die gute Nachricht für Euch ist, dass Ihr die Einhaltung meines Vorsatzes in Echtzeit überprüfen könnt (zumindest was Twitter, Blog und facebook angeht).
Die schlechte Nachricht ist, dass Ihr sehr wenig von mir hören werdet. Ich weiß, das ist schrecklich.

Dafür habe ich dann nach meiner Rückkehr so viel Energie, dass ich nicht nur meine Social-Media-Nutzung wieder massiv hochfahre, sondern auch einen neuen Job antrete. Dann habe ich auch endlich mal wieder was zu erzählen.

Falls Ihr mich in der Zwischenzeit vermisst: Einfach alle meine alten Blogposts wieder und wieder lesen und eine “We miss you, Verena”-Seite auf facebook einrichten.
Falls Ihr mich nicht vermissen solltet: Um so besser für Euch, dass ich offline bin.

In diesem Sinne: happy holidays!

Panini-Fieber

Sonntag, 16. Mai 2010

Die Fußball-WM naht und meine Sammel-Sucht nach Panini-Bildchen ist wieder ausgebrochen. Pünktlich zum Muttertag habe ich das Album plus ca. fünfzig Päckchen von meinen drei Jungs geschenkt bekommen und habe nun nach drei durchgeklebten Abenden Arthrose in der rechten Hand. Aber ich scheue keine Schmerzen und Mühen, denn ich habe einen Ruf zu verlieren.

Vor vier Jahren bei der WM in Deutschland habe ich nämlich auch gesammelt – fanatisch könnte man sagen. Da bin ich sogar zu Panini-Tauschabenden in Kneipen gegangen und habe es mit meinem vollständigen Heft in die WELT KOMPAKT geschafft. Total männlich!

Panini-Queen

Dieses Mal möchte ich das natürlich auch wieder schaffen.

Also liebe WELT KOMPAKT: Wenn Du das hier liest, dann bitte bitte denk an mich, wenn Du wieder einen Artikel über Panini-Bildchen schreibst. Ich verspreche dann auch hoch und heilig ein intelligenteres Zitat als beim letzten Mal zu bringen: „Wenn dieses Album voll ist, stelle ich es ins Regal und freue mich“.

Wie unheimlich geistreich und tiefgründig.

Auf Entzug – warum ich lernen möchte, wieder mehr offline zu sein

Donnerstag, 11. Februar 2010

Am Wochenende habe ich Sachars Artikel „Overload“ gelesen. Und der hat mich nachdenklich gemacht. Bin ich auch süchtig? Verspüre ich Entzugserscheinungen, wenn ich nicht online sein darf? Vermisse ich mein Iphone, wenn es nur für ein paar Minuten im Zimmer nebenan liegt? Unterbreche ich romantische Abende mit meinem Mann, um mal eben etwas zu twittern, facebooken oder sonst wie zu veröffentlichen. Gehöre ich zur Generation, die nicht mehr offline sein kann? Lebe ich in einem Meer von Konzentrationsstörung, ADHS und Oberflächlichkeit. Bin ich eine Getriebene der modernen Kommunikationsmittel und Netzwerke?

Sicherlich ein bisschen. Sicherlich jeden Tag mehr. Und sicherlich manchmal auch zu viel.

Aber das ändert sich gerade!

Denn es gab viele Momente im letzten Jahr, in denen ich bedauert habe, dass im Briefkasten nur noch Zeitungen, Rechnungen und Werbung und in den seltensten Fällen noch ein echter Brief landen. Ich habe drei große Kartons im Regal stehen, die bis oben hin mit Briefen gefüllt sind, die ich in meinem Leben jemals erhalten habe. Alle sind noch da. Sie zerfallen nicht, kein Virus zerstört sie, kein mangelnder Speicherplatz erzwingt ihre Auslöschung. Sie sind einfach da. Erinnerungen an schöne und traurige, aufregende und einsame Zeiten. Zeilen von Menschen, die zum Teil nicht mehr leben oder, die man aus den Augen verloren hat. Sie haben einen unheimlichen Wert für mich. Und ich habe in den letzten drei Jahren kaum für Nachschub gesorgt. Weil ich selber nicht mehr schreibe.
Damit kommen vor allem all diejenigen zu kurz, die keine Emailadresse haben, d.h. vor allem meine Großeltern. Von meinen beiden Großmüttern habe ich 254 Briefe in der einen Schachtel. Das wird mein Sohn nicht mehr haben. Er wird von Anfang an mit seiner Großmutter mailen, chatten, skypen oder facebooken. Ist das nicht eigentlich ein bisschen traurig?

Gestern kam der Brief meines Vaters an, den er mir zu meinem morgigen Geburtstag geschrieben hat. Da er von außen nicht als Geburtstags-Brief erkennbar war, habe ich ihn bereits gestern geöffnet. Ihr glaubt nicht, was es für ein Glücksgefühl ist, wenn einem jemand, der einem nahe steht zwei volle DinA4-Seiten schreibt. Mit Füller und Tinte und Schönschrift. Ich habe den Brief drei Mal gelesen und ich könnte Euch jedes Wort genau wiedergeben, weil es sich so stark eingeprägt hat. Von der Email, die ich vor 5 Minuten gelesen habe, weiß ich kaum noch den Anfang.

Ein anderes Beispiel ist, dass mein Mann und ich die letzten vier Abende! den Computer ausgelassen, unsere Iphones auf lautlos mit dem Gesicht nach unten in den Nachbarraum gelegt und uns unterhalten, gelesen und Filme zusammen gesehen haben. Das war so schön! Und so wichtig. Denn häufig verhindert das permanente Online-Sein, das Genießen des Offline-Lebens. Zumindest bei mir ist das so. Und dann stellt man fest, dass man zwar eigentlich wahnsinnig viel gearbeitet hat und online war, aber nur sehr wenig gelebt hat. Dass man zwar in jedem sozialen Netzwerk ein Update geschrieben hat, aber kaum noch Energie hat sich zu unterhalten.

Und wenn dann mal schwierige Zeiten oder traurige Momente kommen, stellt man fest, dass man im Netz ziemlich einsam ist und lieber in den Arm genommen wird, als acht Kommentare zu seinem Facebook-Status zu lesen. Dass Hunderte von followern und Facebook-Freunden plötzlich nicht helfen können. In diesen Momenten blättere ich durch Fotoalben, lese alte Briefe, liege auf dem Sofa, höre Musik, träume oder mache einen langen Spaziergang. Bin einfach offline. Etwas, das für die meisten Menschen selbstverständlich ist, ist für mich ein echter Luxus geworden. Ein Luxus, den ich wieder öfter haben möchte. Sicherlich wird es eine Weile dauern, diese Entschleunigung zu lernen und den Moment wieder zu genießen. Aber ich schaffe das. Ohne Selbsthilfe-Gruppe, ohne Therapie und hoffentlich ohne zu starke Entzugserscheinungen.

Das heißt natürlich nicht, dass ich Twitter, Facebook, Xing, Mails oder mein Blog jetzt irgendwie hinter mir lasse oder mich gar abmelde. Es heißt einfach nur, dass ich mir bewusste Auszeiten nehmen werde, in denen ich dann ausschließlich offline bin.
Die erste Härteprobe kommt im März, wo wir acht Tage in die Sonne fliegen. Auch wenn es natürlich höchst bedauerlich ist, dass meine follower und Facebook-Freunde in dieser Zeit auf Urlaubsfotos, Wetterberichte und Glücksbekundungen verzichten müssen, so glaube ich, dass es mir gut tun wird, in dieser Zeit ausschließlich Zeit mit meiner Familie zu verbringen und die Außenwelt auszublenden.

Back to the roots.

Wofür man früher mit dem Rucksack durch die Anden laufen oder Überlebenstraining in den schottischen highlands machen musste, reicht es heute einfach nur das Iphone auszuschalten und den Laptop gar nicht erst mitzunehmen.

Eigentlich einfach. Bestimmt machbar. Ich werde es Euch beweisen.