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Social Freezing – der Anfang vom Ende oder die Antwort auf alles?

Mittwoch, 29. Oktober 2014

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Kein anderes Thema war in den letzten 2 Wochen so präsent wie das Thema “Social Freezing“. Ob Facebook und Apple das Thema per Pressemitteilung selber lanciert haben oder warum es plötzlich so groß geworden ist weiß ich nicht. Fakt ist, dass sich jedes kleine oder große Medium in Deutschland mit dem Thema befasst hat. Und es fast überall Gesprächsthema ist.

Als 35jährige Frau geht das Thema und die einhergehende Diskussion nicht spurlos an einem vorüber. Und ich habe mehr und mehr das Bedürfnis verspürt, eine klare Meinung zu dem Thema zu haben.

Aber bevor ich anfange, eine Sache vorweg: Warum eigentlich Social Freezing?
Was ist denn daran “social”, wenn ich mich als Frau entscheide, meine Eizellen einfrieren zu lassen? Weder wird ein Google hang-out veranstaltet, um zuzuschauen, noch poste ich das auf Facebook oder Twitter, noch können meine Eizellen twittern, noch möchte ich das Thema in irgendeiner Form an die große Glock hängen.

Warum also nicht “Voluntary Freezing”? Das trifft es doch eigentlich viel besser. Eizellen einfrieren  - ohne medizinischen Grund.

Voluntary.

Freiwillig.

Und genau um dieses “freiwillig” geht es im Kern für mich.
Wenn eine Frau – egal welchen Alters – sich entscheidet, ihre Eizellen einfrieren zu lassen, dann sollte das eine persönliche und freiwillige Entscheidung sein. Eine Entscheidung, die nur sie allein (oder mit ihrem Partner, wenn sie einen hat) fällt.

Keine Entscheidung zu der die Gesellschaft sie zwingen sollte.

Keine Entscheidung zu der sie sich aus Karriere-technischen Gründen gezwungen fühlen sollte.

Und erst Recht keine Entscheidung, die sie mit ihrem Arbeitgeber diskutieren sollte oder müsste.

So sehr “work” und “life” durch die digitalen Medien und das damit verbundene “always on” heutzutage verschwimmen, die Familienplanung sollte ganz klar Privatsache bleiben. Die Entscheidung für ein Kind ist für eine Frau, ein Paar oder eine Familie so intim, so privat und so großartig, dass sie nicht in einem Vertrag geregelt werden sollte. Jeder Frau sollte absolut freigestellt sein was sie mit ihren Eizellen macht. Arbeitgeber sollten sich aus meiner Sicht darauf konzentrieren die Rahmenbedingungen zu verbessern innerhalb derer Karriere und Kinder sich besser vereinbaren lassen als in diesen intimsten Bereich der Frau und Familie vorzudringen.

Außerdem gibt es so viele offene Fragen, deren Antworten noch absolut nicht greifbar sind:

Was passiert mit den Eizellen, wenn ich gekündigt werde und die Kosten der Einlagerung nicht mehr bezahlen kann?

Was passiert mit den Eizellen, wenn ich ein bestimmtes Alter überschreite? Legt der Arbeitgeber mir dann nahe sie vernichten zu lassen, damit er nicht mehr zahlen muss?

Was passiert mit den Eizellen, wenn ich sie bis zur Rente aufbewahre und dann in Ruhestand gehe?

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Was passiert, wenn in ein paar Jahren Eizellen-Verkauf erlaubt ist (kann ja auch nur noch eine Frage der Zeit sein) und ich die Eizellen verkaufen möchte? Gehören Sie dann mir oder meinem Arbeitgeber? Oder muss ich sie ihm abkaufen? Oder ihm die Kosten der Einfrierung nachträglich erstatten?

Und wie lange muss ich dem Arbeitgeber versprechen nicht schwanger zu werden, damit er die Kosten des Einfrierens überhaupt übernimmt? Was passiert, wenn ich trotzdem vorher schwanger werde?

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Fragen über Fragen, die so persönlich sind, dass es für mich unvorstellbar ist, diese mit meinem Arbeitgeber zu diskutieren.

Ich denke, dass der Druck, den sich Frauen rund um das Thema Schwangerschaft machen, eh schon groß genug ist. Das Thema verliert an Leichtigkeit mit jedem Jahr, das man älter wird, jedem Gespräch welches man über das Thema führt und jeder Person, die man in diese private Entscheidung einweiht. Und es verliert endgültig an Leichtigkeit, wenn es Teil des Arbeitsvertrages oder des Personalentwicklungs-Gesprächs wird.

Wenn Arbeitgeber in Deutschland also aufgrund der aktuellen Social Freezing Diskussion wirklich darüber nachdenken sollten, ob sie Frauen auf diese Weise unterstützen wollen, ihren Kinderwunsch zu verwirklichen, dann hätte ich folgenden – wenig überraschenden – Gegenvorschlag:

Wenn sie denselben Betrag nähmen und in den Bau einer Betriebskita stecken würden und jeder Frau einen Gutschein für einen Kitaplatz ab eines Kindesalters ihrer Wahl in die Hand drücken würden, dann würde das dazu führen, dass Frauen früher Kinder bekämen, schneller in den Beruf zurückkehren würden und der Zeugungsprozess des Kindes das bliebe, was er sein sollte:

Privatsache.